{"id":2418,"date":"2020-02-28T17:25:26","date_gmt":"2020-02-28T17:25:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.magoria.ch\/dam\/?p=2418"},"modified":"2026-02-28T08:23:31","modified_gmt":"2026-02-28T08:23:31","slug":"sprachen-ohne-worte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.magoria.ch\/dam\/sprachen-ohne-worte\/","title":{"rendered":"Sprachen ohne Worte"},"content":{"rendered":"\n<p>In&nbsp;<em>Gullivers Reisen<\/em><sup data-fn=\"ed62aa97-6b38-4907-b46d-1a3fddf316c3\" class=\"fn\"><a href=\"#ed62aa97-6b38-4907-b46d-1a3fddf316c3\" id=\"ed62aa97-6b38-4907-b46d-1a3fddf316c3-link\">1<\/a><\/sup> wird an einer Akademie eine Debatte dar\u00fcber gef\u00fchrt, wie man die Sprache verbessern k\u00f6nnte. Ein Professor schl\u00e4gt vor, \u00abdie Rede zu verk\u00fcrzen, indem man alle vielsilbigen W\u00f6rter so zurechtstutzt, dass nur noch eine Silbe \u00fcbrig bleibt\u00bb. Ferner k\u00f6nne man alle Verben und Partizipien k\u00fcnftig weglassen, \u00abweil alle vorstellbaren Dinge der Wirklichkeit ja ohnehin nur Substantiva seien\u00bb. Der Satiriker Jonathan Swift hat sich also vor dreihundert Jahren schon Gedanken \u00fcber \u00abEinfache Sprache\u00bb gemacht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.magoria.ch\/pictures\/swift_Gullivers-Reisen_cover.jpg\" alt=\"\" style=\"width:249px;height:auto\"\/><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><em>Dinge statt Worte<\/em><\/h3>\n\n\n\n<p>Ein anderes Projekt ging noch einen Schritt weiter und bezweckte gleich s\u00e4mtliche W\u00f6rter abzuschaffen: Da es sich bei W\u00f6rtern lediglich um \u00abNamen f\u00fcr die Dinge\u00bb handle, k\u00f6nne man stattdessen ja einfach die Dinge mit sich tragen, die man ben\u00f6tigt, \u00abum Sachen auszudr\u00fccken, \u00fcber die man sich jeweils unterhalten wolle.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Nun k\u00f6nnen wir vielleicht ohne W\u00f6rter, aber bestimmt nicht ohne Begriffe auskommen. Beispiele f\u00fcr Kommunikation jenseits der artikulierten oder geschriebenen Wortsprache stellt Andrea Weller-Essers in einem kleinen Band aus dem Duden Verlag vor. <\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich geht es auch ohne Worte \u2013 nicht nur im Bilderbuch, sondern \u00fcberall dort, wo die Verbalsprache in geschriebener oder gesprochener Form versagt oder nicht zum Zug kommt. Unter Wasser verst\u00e4ndigt man sich mit Tauchzeichen, Polizei und Bodenlotsen am Flughafen regeln den Verkehr mit Handzeichen und auch im Konzertsaal, auf dem Fussball- oder Eishockeyfeld wird das Geschehen mit Gesten dirigiert. Sprachen im eigentlichen Sinn sind das jedoch nicht \u2013 im Unterschied etwa zur Geb\u00e4rdensprache der Geh\u00f6rlosen oder der ideografischen Bliss-Schrift, mit denen sich dank Begriffen und Grammatik praktisch alles ausdr\u00fccken l\u00e4sst. Das reich illustrierte Duden-B\u00fcchlein stellt neben Musik- und Tanznotationen auch verschiedene Schriftsysteme und exotische Signalsprachen vor. Damit vermittelt es einen breiten Einblick in die faszinierende Welt der Kommunikation. Selbst ohne Worte sind wir mit unserem Latein also noch lange nicht am Ende.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right has-small-font-size\"><em>Daniel Ammann<\/em>, 26.2.2020\/2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u00abWortlos kommunizieren?\u00bb&nbsp;<br><em>Akzente<\/em>&nbsp;1 (2020): S. 35.<br><a href=\"https:\/\/www.magoria.ch\/dam\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/pdf_button.png\" data-rel=\"lightbox-image-0\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"14\" height=\"14\" class=\"alignnone size-full wp-image-421\" src=\"https:\/\/www.magoria.ch\/dam\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/pdf_button.png\" alt=\"\"><\/a> <a href=\"http:\/\/www.magoria.ch\/texte\/rez_Weller-Essers_Akzente_2020-1.pdf\">Download<\/a><\/p>\n\n\n<ol class=\"wp-block-footnotes has-small-font-size\"><li id=\"ed62aa97-6b38-4907-b46d-1a3fddf316c3\">Jonathan Swift.\u00a0<em>Gullivers Reisen.<\/em>\u00a0Aus dem Englischen \u00fcbersetzt von Christa Schuenke. Nachwort von Dieter Mehl. Z\u00fcrich: Manesse, 2017. <a href=\"#ed62aa97-6b38-4907-b46d-1a3fddf316c3-link\" aria-label=\"Zur Fu\u00dfnotenreferenz 1 navigieren\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><\/ol>\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Andrea Weller-Essers<br><em>Sprachen ohne Worte: Kommunikation auf anderen Wegen<\/em>.<br>Berlin: Dudenverlag, 2019. 80 Seiten.<br><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"200\" class=\"alignnone size-full\" src=\"http:\/\/www.magoria.ch\/pictures\/Sprachen-ohne-Worte_web.jpg\"><\/p>\n<div style=\"margin-top: 0px; margin-bottom: 0px;\" class=\"sharethis-inline-share-buttons\" ><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es geht auch ohne Worte \u2013 nicht nur im Bilderbuch, sondern \u00fcberall dort, wo die Verbalsprache in geschriebener oder gesprochener Form versagt oder nicht zum Zug kommt. <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":6384,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"fifu_image_url":"http:\/\/www.magoria.ch\/pictures\/Sprachen-ohne-Worte_web.jpg","fifu_image_alt":"","footnotes":"[{\"content\":\"Jonathan Swift.\u00a0<em>Gullivers Reisen.<\/em>\u00a0Aus dem Englischen \u00fcbersetzt von Christa Schuenke. 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