{"id":4667,"date":"2019-11-13T14:31:55","date_gmt":"2019-11-13T14:31:55","guid":{"rendered":"http:\/\/magoria.ch\/wp\/?p=920"},"modified":"2025-10-17T06:59:30","modified_gmt":"2025-10-17T06:59:30","slug":"kritik-als-kunst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.magoria.ch\/dam\/kritik-als-kunst\/","title":{"rendered":"Kritik als Kunst"},"content":{"rendered":"\n<p>\u00abWer hat je innegehalten, um die Form oder den Tonfall einer Rezension oder eines kritischen Essays zu bewundern?\u00bb Die Frage des New Yorker Filmkritikers Anthony Scott ist berechtigt.&nbsp;<span id=\"more-3910\"><\/span>Besprechungen von Filmen, B\u00fcchern, Theaterauff\u00fchrungen, Konzerten oder Ausstellungen werden als Orientierungshilfe gesch\u00e4tzt, beeinflussen als Verriss oder Lobeshymne vielleicht den Erfolg eines Werks. Aber als eigene Kunstform, wie das schon der ber\u00fchmte Kritiker und Journalist Alfred Kerr (1867\u20131948) gefordert hat, wird die Kritik kaum gew\u00fcrdigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu passt auch Ernest Hemingways Bemerkung in <em>A Moveable Feast<\/em>, als er einem Freund den Rat gibt: \u00abPass auf, wenn du nicht schreiben kannst \u2013 wie w\u00e4r\u2019s, wenn du\u2019s mal mit Rezensionen versuchen w\u00fcrdest? [&#8230;]&nbsp;Dann hast du immer was zu schreiben. Du brauchst dir nie mehr Sorgen zu machen, dass nichts mehr kommt, dass du stumm und still geworden bist. Und du hast Leser und Anerkennung.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignnone wp-image-921 size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/magoria.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Hemingway-Zitat-724x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-921\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ernest Hemingway in <em>Paris, ein Fest f\u00fcrs Leben<\/em>. Deutsch von Werner Schmitz. (Rowohlt 2011)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>\u00a0Noch immer haftet der Kritik das Image der Unkreativit\u00e4t an. Ohne all die kreativen Beitr\u00e4ge, heisst es gerne, h\u00e4tten die Kritikerinnen und Kritiker gar nichts, wor\u00fcber sie schreiben k\u00f6nnten. Ausserdem, so Scott, bedeutet kritisieren f\u00fcr viele, \u00abdass man etwas auszusetzen hat, dass man das Negative betont, den Spass verdirbt und sich weigert, auf empfindliche Gef\u00fchle R\u00fccksicht zu nehmen.\u00bb Dabei sollte man sich f\u00fcr die Kritik durchaus stark machen, wie das in diesem anregenden und aufschlussreichen Buch geschieht. Im Zeitalter der Meinungsmache und Gef\u00e4llt-mir-Klicks geht gern vergessen, dass Kritik nicht nur Stellung bezieht, sondern Massst\u00e4be anlegt, ohne die ein begr\u00fcndetes Urteil gar nicht m\u00f6glich ist. Kritik sch\u00e4rft die Wahrnehmung und ebnet den Weg f\u00fcr einen Diskurs.<\/p>\n\n\n\n<p>In seinen Ausf\u00fchrungen und ironischen Selbstgespr\u00e4chen sch\u00fcttet Anthony Scott nicht nur sein Herz aus, sondern zeigt auf, welch wichtige Rolle die Kritik seit Jahrhunderten spielt. Viele bedeutende Kritiker, wie die Kulturgeschichte belegt, waren selbst K\u00fcnstler und umgekehrt. Charles Baudelaire schrieb \u00fcber moderne Malerei, der Lyriker Philip Larkin \u00fcber Jazz. Auch Regisseure wie Godard, Chabrol oder Truffaut haben als Filmkritiker angefangen. Das m\u00f6gen Ausnahmeerscheinungen sein, wie Scott eingesteht, aber in erster Linie sei die Kritik eine \u00abDisziplin des Schreibens\u00bb und der Kritiker \u00abeine besondere Spezies der Gattung Schriftsteller\u00bb. Etwas heruntermachen, bem\u00e4ngeln und anfeinden ist keine Kunst, gute Kritik jedoch erfordert Argumente, klare Begriffe und vor allem Unterscheidungsmerkmale, sprich: Kriterien. \u00dcber Geschmack l\u00e4sst sich nicht streiten \u2013 \u00fcber Kritik schon.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right has-small-font-size\"><em>Daniel Ammann,<\/em> 23.2.2018<\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-size: 12pt;\"><strong><span style=\"line-height: 1.3em;\">\u00ab<\/span><span style=\"line-height: 1.3em;\">\u00dcber Kritik l\u00e4sst sich streiten.<\/span><\/strong><span style=\"line-height: 1.3em;\"><strong>\u00bb<\/strong><br><\/span><em><a title=\"Akzente\" href=\"https:\/\/www.phzh.ch\/Akzente\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Akzente<\/a><\/em> 1 (23.2.2018).<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-size: 12pt;\"><a title=\"\u00dcber Kritik l\u00e4sst sich streiten\" href=\"https:\/\/zenodo.org\/record\/1250755#.WwZmr0iFOUk\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">doi.org\/10.5281\/zenodo.1250755<\/a><\/span><br><span style=\"font-size: 12pt;\"><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium\" src=\"http:\/\/www.magoria.ch\/pictures\/pfeil_blau-icon.png\" width=\"14\" height=\"12\"> <\/em><a title=\"\u00dcber Kritik l\u00e4sst sich streiten\" href=\"https:\/\/blog.phzh.ch\/akzente\/2018\/02\/23\/ueber-kritik-laesst-sich-streiten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">blog.phzh.ch\/akzente\/2018\/02\/23\/ueber-kritik-laesst-sich-streiten\/<\/a><\/span><br><span style=\"font-size: 12pt;\"><span style=\"widows: 1; line-height: 15.808px;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium\" src=\"http:\/\/www.magoria.ch\/pictures\/pdf_icon.png\" width=\"14\" height=\"14\"> <\/span><a title=\"Kritik \u00fcben\" href=\"http:\/\/www.magoria.ch\/texte\/Akzente_medientipps-online-2018-1_Kritik.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Download<\/a><span style=\"widows: 1;\">&nbsp;<\/span><\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Anthony O. Scott<br><em>Kritik \u00fcben: Die Kunst des feinen Urteils<\/em>.<br>Aus dem Englischen von Martin Pfeiffer.<br>M\u00fcnchen: Carl Hanser, 2017. 320 Seiten.<span style=\"font-size: 12pt;\"><span style=\"line-height: 1.3em;\"><br><\/span><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"130\" height=\"212\" class=\"alignnone size-medium\" src=\"http:\/\/www.magoria.ch\/pictures\/scott_Kritik_ueben_cover_web.jpg\"><\/span><\/p>\n<div style=\"margin-top: 0px; margin-bottom: 0px;\" class=\"sharethis-inline-share-buttons\" ><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch immer haftet der Kritik das Image der Unkreativit\u00e4t an. 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