{"id":507,"date":"2017-08-11T13:07:45","date_gmt":"2017-08-11T13:07:45","guid":{"rendered":"http:\/\/magoria.ch\/wp\/?p=507"},"modified":"2025-07-04T10:34:33","modified_gmt":"2025-07-04T10:34:33","slug":"auf-ein-wort-was-ist-falsch-am-falschen-hund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.magoria.ch\/dam\/auf-ein-wort-was-ist-falsch-am-falschen-hund\/","title":{"rendered":"Was ist falsch am falschen Hund?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"p1\">\u00dcbersetzungen sind ein Gl\u00fcck \u2013 aber immer auch Gl\u00fcckssache. Es ist eine Freude, dass es sie gibt, und ebenso, dass immer wieder neue entstehen. Die vielen Neu\u00fcbersetzungen bringen allerdings ein Problem mit sich, wenn die aktuelle \u00dcbertragung um jeden Preis vom bisherigen abweichen will. Man denke an den <i>Kleinen Prinzen<\/i> und den Satz: \u00abMan begreift gar nichts, wenn das Herz nicht dabei ist.\u00bb Hans Magnus Enzensberger (dtv 2015) hat es sicher gut gemeint, aber an der Formulierung \u00abMan sieht nur mit dem Herzen gut\u00bb ist nichts auszusetzen, erst recht, wenn man ber\u00fccksichtigt, dass es sich schon um ein gefl\u00fcgeltes Wort handelt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"p1\">Ich will nicht auf Details herumreiten, aber zwei Beispiele bringen, die mir letzthin aufgefallen (und leicht missfallen) sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"p1\">Anl\u00e4sslich meiner Jane-Austen-Streifz\u00fcge bin ich in der neusten \u00dcbersetzung von Andrea Ott (<em>Vernunft und Gef\u00fchl<\/em>. Manesse 2017) \u00fcber die Formulierung \u00ab<strong>falscher Fuffziger<\/strong>\u00bb gestolpert. Sir John Middleton macht seinem \u00c4rger \u00fcber den niedertr\u00e4chtigen Willoughby Luft und nennt ihn <em>scoundrel<\/em> und <em>deceitful dog<\/em>. Der <em>scoundrel<\/em> wird in der Regel mit \u00abSchurke\u00bb oder \u00abSchuft\u00bb wiedergegeben, aus dem <em>deceitful dog<\/em> wird im Deutschen ein \u00abfalscher\u00bb oder \u00abhinterlistiger Hund\u00bb. Andrea Ott macht daraus einen \u00abfalschen Fuffziger\u00bb. Die metaphorische Wendung mit berlinerischem Einschlag bezeichnet zwar ebenfalls einen unaufrichtigen Menschen, nur will das Bild nicht so recht in die englische Szenerie und den Mund des Landadels passen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"p1\">Auch wenn eine Neu\u00fcbersetzung von Hemingways <em>A Moveable Feast<\/em> (<em>Paris, ein Fest f\u00fcrs Leben<\/em>. Rowohlt 2011) zu begr\u00fcssen ist und Werner Schmitz (wie uns <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/erinnerungen_leicht_revidiert-1.11143534\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Thomas Hermann in der NZZ vom 2. Juli 2011<\/a> versichert) gute Arbeit geleistet hat, will mir eine Passage in der \u00dcbertragung von Annemarie Horschitz-Horst doch besser gefallen. Anlass f\u00fcr einen Vergleich war ein Besuch in Schruns, wo die besagte Textstelle im Biergarten des Hotels Taube auf eine grosse Metallplatte vor dem Schanktisch eingraviert ist.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/magoria.ch\/wp\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Hotel-Taube-Schruns.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-508\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"p1\">[&#8230;] WIR LIEBTEN VORARLBERG, UND WIR LIEBTEN SCHRUNS [&#8230;]<br>ALS ES DEM FR\u00dcHLING ZUGING, GAB ES DIE GROSSE GLETSCHERABFAHRT, GLATT UND GERADE, ENDLOS GERADE, WENN UNSERE BEINE ES DURCHHALTEN KONNTEN; DIE KN\u00d6CHEL ANEINANDERGEDR\u00dcCKT, LIEFEN WIR GANZ TIEFGEDUCKT, \u00dcBERLIESSEN UNS DER GESCHWINDIGKEIT UND GLITTEN ENDLOS, ENDLOS IM STILLEN ZISCHEN DES K\u00d6RNIGEN PULVERSCHNEES. ES WAR SCH\u00d6NER ALS JEDES FLIEGEN ODER SONST IRGEND ETWAS. [&#8230;]<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"p1\">Darunter steht als Quelle: Ernest Hemingway, <em>Paris \u2013 ein Fest f\u00fcrs Leben<\/em>, deutsche Fassung 1965.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"p1\">In der \u00dcbertragung durch Werner Schmitz w\u00fcrde der Text wie folgt lauten:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"p1\">\u00abVorarlberg und Schruns gefielen uns sehr. [&#8230;]<br>Schlie\u00dflich die gro\u00dfe Abfahrt den Gletscher hinunter, glatt und geradeaus, ewig geradeaus, wenn die Beine das aushielten, die Kn\u00f6chel eng aneinander, tief geb<span class=\"s1\">\u00fc<\/span>ckt in die Geschwindigkeit gelehnt, fielen und fielen wir im stillen Zischen des frischen Pulverschnees. Das war besser als Fliegen und alles andere [&#8230;]\u00bb<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"p1\">Und zum Vergleich noch&nbsp;im Originalton:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"p1\">\u00abWe loved the Vorarlberg and we loved Schruns. [&#8230;]<br>Finally towards spring there was the great glacier run, smooth and straight, forever straight if our legs could hold it, our ankles locked, we running so low, leaning into the speed, dropping forever and forever in the silent hiss of the crisp powder. It was better than any flying or anything else [&#8230;].\u00bb<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right has-small-font-size\"><em>Daniel Ammann, 11.8.2017&nbsp;<\/em><\/p>\n<div style=\"margin-top: 0px; margin-bottom: 0px;\" class=\"sharethis-inline-share-buttons\" ><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcbersetzungen sind ein Gl\u00fcck \u2013 aber immer auch Gl\u00fcckssache.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"fifu_image_url":"","fifu_image_alt":"","footnotes":""},"categories":[1054,1101,6],"tags":[597,739,1160],"class_list":["post-507","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uebersetzen","category-auf-ein-wort","category-texte","tag-ernest-hemingway","tag-jane-austen","tag-hans-magnus-enzensberger"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.magoria.ch\/dam\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/507","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.magoria.ch\/dam\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.magoria.ch\/dam\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.magoria.ch\/dam\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.magoria.ch\/dam\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=507"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.magoria.ch\/dam\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/507\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5485,"href":"https:\/\/www.magoria.ch\/dam\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/507\/revisions\/5485"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.magoria.ch\/dam\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=507"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.magoria.ch\/dam\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=507"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.magoria.ch\/dam\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=507"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}