A Piece of Cake oder Übersetzen ist wie Gummitwist

Übersetzen ist wie Gummitwist – und trotzdem kein Kinderspiel.

Im Folgenden soll es jedoch nicht um ein children’s game wie Chinese jump rope, sondern um child’s play gehen, also etwas das kinder­leicht ist.

Wie im Deutschen das Kinderspiel so kann im Englischen die Wendung a piece of cake mal wörtlich, mal übertragen gemeint sein.

Wenn es in E. M. Forsters Roman Howards End heisst: «There she sat, a piece of cake in one hand, an empty champagne glass in the other», so dürfen wir uns ein Stück Kuchen vorstellen. «Da sass sie nun», übersetzt also Egon Pöllinger, «ein Stück Kuchen in der einen Hand, ein leeres Sektglas in der andern» (Wiedersehen in Howards End).

In der Hillbilly-Elegie von J.D. Vance fallen hingegen keine Krümel, denn hier geht es nicht um einen richtigen Cake (wie er in der Schweiz heisst). Aber auch das ist für den Übersetzer Gregor Hens nur ein Klacks:

«My schedule was intense, but everything that had made me fear the independent college life when I was eighteen felt like a piece of cake now.»
«Die Tage waren vollgepackt, aber alles, was ich mit achtzehn an der Unabhängigkeit des Studentenlebens gefürchtet hatte, war jetzt ein Kinderspiel.»

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Es wäre schon praktisch, wenn im Deutschen ebenfalls eine essbare Metapher zur Verfügung stünde, aber Übersetzen ist eben kein Honiglecken (not a piece of cake)! – Ich habe dazu ein paar Stichproben gemacht, aber wo immer in der Übersetzung von Honiglecken die Rede war, gab es im Original keinen cake:
«no fuckin’ Mardi Gras» (Julie Powell, Julie & Julia; Übers. Andrea Ott),
«no picnic» (Paul Auster, Mr. Vertigo; Übers. Werner Schmitz ),
«a taste of honey!» (David Mitchell, Der Wolkenatlas; Übers. Volker Oldenburg).

«Du meinst, es ist kein Honiglecken? Du hast ‹Zuckerschlecken› gesagt», korrigierte Farrokh seinen Freund.
«Das ist doch dasselbe», erwiderte Macfarlane.
(John Irving, Zirkuskind; Übers. Irene Rumler)

Im Original:

«Don’t you mean it’s no picnic? You said ‹no circus›», Farrokh told Mac.
«It’s the same expression», Macfarlane replied.

Auch nicht überall, wo im Deutschen Kinderspiel steht, verbirgt sich im Englischen das sprichwörtliche Stück Kuchen: «His arms to the shoulders and most of the legs beneath the knee were child’s play», heisst es in The Pale King von David Foster Wallace. In Paul Austers New-York-Trilogie hätte die umgangssprachliche Wendung a piece of cake womöglich das falsche Register angeschlagen: «Picking the lock on the front door is child’s play for Blue …»

Übersetzen ist wohl doch kein Kinderspiel à la Gummitwist – eher wie «Himmel und Hölle»!

Aber in Anlehmung an Bern Rullkötters Übersetzung von Peter Ackroyds Chatterton dürfen die Übersetzerinnen und Übersetzer auf keinen Fall klein beigeben – oder wie der Engländer sagt: eat humble pie:

«Dann sollen sie doch Kuchen essen.» («Let them eat cake», she said.)
«Meinen Sie nicht: kleine Brötchen backen?» («Don’t you mean humble pie?»)

Daniel Ammann, 4.1.2019

Alles auf A. Oder: T wie Tautogramm

Das Tautogramm ist ein Text, in dem alle Wörter mit dem gleichen Buchstaben beginnen. Alle. Ausnahmslos. Also aufgepasst!

Zum ersten Mal bewusst auf ein Tautogramm gestossen bin ich in David Lodges Ausführungen in The Art of Fiction (Penguin 1992), das ich für den Haffmans Verlag übersetzen durfte. In Kapitel 22 weist Lodge unter anderem auf den 1974 erschienenen experimentellen Roman Alphabetical Africa von Walter Abish hin. Dieser beginnt so:

Ages ago, Alex, Allen and Alva arrived at Antibes, and Alva allowing all, allowing anyone, against Alex’s admonition, against Allen’s angry assertion: another African amusement . . . anyhow, as all argued, an awesome African army assembled and arduously advanced against an African anthill, assiduously annihilating ant after ant, and afterward, Alex astonishingly accuses Albert as also accepting Africa’s antipodal ant annexation. Albert argumentatively answers at another apartment. Answers: ants are Ameisen. Ants are Ameisen?

Nur das erste und das letzte Kapitel sind wirklich Tautogramme. Im zweiten Kapitel kommt nämlich bereits der Buchstabe B ins Spiel, im dritten das C, und so weiter, bis das Alphabet komplett ist. Dann wird kapitelweise zurückbuchstabiert, bis wir am Schluss wieder bei A landen.

Zum Glück zitiert Lodge zur Illustration nur einen kurzen Absatz, aber das ist für den unerfahrenen Übersetzer Ammann Herausforderung genug: «Abermals Afrika: Als Albert ankommt, angeregt argumentiert, afrikanische Ausstellungskunst abhandelt, an afrikanischer Angst, aber auch, ach, ausgerechnet Ashanti-Architektur angreift …» (Lodge, Die Kunst des Erzählens, S. 133).

Die Sache hat mich nie ganz losgelassen, und irgendwann wollte ich mich selbst an einer tautogrammatischen Geschichte versuchen. Das Ergebnis findet sich unter dem Titel «Adeles Aufstieg» in meinem kleinen Erzählband Der weisse Schatten (Magoria 2018, S. 39–42). Die Geschichte zählt 438 Wörter und beginnt so:

Adele Abderhalden, Adoptivtochter alteingesessener Apo­the­ker aus Affoltern am Albis, arbeitet Anfang Achtzigerjahre aushilfsweise als Aupairmädchen aristokratischer Aargauer. Angenehme Aufgaben. Außerdem allerhand Annehm­lich­keiten: aparte Attikawohnung, ausgedehntes Anwesen, Auto auf Abruf, allabend­licher Ausgang. Andererseits auf­reibend. Arbeitgeber ausgesprochen angetan, aber arrogant. Aufgrund alter­tüm­licher Auffassungen Adeles adrettes Aus­sehen als Auffor­derung ausgelegt, also andauernde Anmache, Anzüg­lichkeiten aller Art, auch anstößige Anspie­lungen auf Adeles aufreizenden Arsch. Adele appelliert an Anstand. Aufdring­liche Avancen ausdrücklich abgewiesen.

Dass sich so ein sperriger Text sogar prima vista gut vorlesen lässt, hat Schauspieler Reto Stalder am ersten Schweizer Vorlesetag vom 23. Mai 2018 bewiesen.

magoria.ch/audio/Reto-Stalder-liest-Adeles-Aufstieg.wav

Wenn man der Handlung folgt und nicht ständig auf die Anfangsbuchstaben achtet, funktioniert der Text tatsächlich als Geschichte. Als ausgefuchstes Anschauungsbeispiel aberwitziger Alliterationen verstösst das zwar gegen das erste Schreibgebot – aber schliesslich sind solche Gebote dazu da, lustvoll gebrochen zu werden.


PS
Bereits 1983 hat sich Hanna Muschg in der Zeitschrift Manuskripte am ersten Kapitel aus Abishs Roman versucht (Heft 79, S. 4). 2002 erscheint der Roman Alphabetisches Afrika bei Urs Engeler als zweisprachige Ausgabe mit der Übersetzung von Jürg Laederach.

In seinem Beitrag mit dem Titel «Die Übersetzung als fortgeführtes Sprachexperiment» hat sich Robert Leucht unter anderem mit diesen Übersetzungen befasst (ZiG – Zeitschrift für interkulturelle Germanistik 7/2016/H1. Hrsg. v. Dieter Heimböckel, Georg Mein, Gesine Lenore Schiewer u. Hein Sieburg. Bielefeld: transkript, 2016. S. 11–31.)

Verwirrung durch Überfülle

In Träumen, dem fünften Band seines autobiografischen Grossprojekts, berichtet der norwegische Schriftsteller Karl Ove Knausgård von seiner Zeit in Bergen und wie er dort nach dem Besuch der Akademie für Schreibkunst immer wieder im Schreiben scheitert, dann anfängt Literaturwissenschaft zu studieren, wieder aufgibt und doch unbeirrt von einer Karriere als Schriftsteller weiterträumt. Das Verfassen von Essays, Literaturkritiken und Seminararbeiten scheint ihm dabei einfacher von der Hand zu gehen:

Beim Verfassen von Hausarbeiten lief alles darauf hinaus, möglichst zu verbergen, was man nicht wusste. Dazu diente eine bestimmte Sprache, eine bestimmte Technik, und ich beherrschte sie. Zwischen den Dingen gab es Abgründe, die diese Sprache verdecken konnte, wenn man erst einmal gelernt hatte, wie es funktionierte.

Aber diese Selbstsicherheit hält nicht an. Als ihm bei einer späteren Hausarbeit nur noch wenige Wochen bis zum Abgabetermin bleiben, hat er erst wenige Seiten verfasst.

Schlimmer war jedoch, dass ich keine Ahnung hatte, wie ich vorgehen sollte. Der Stoff wuchs und expandierte, aber es fehlte der Zusammenhang, die einzelnen Fäden erstreckten sich in alle Richtungen, und die Gewissheit, dass ich nicht nur den Überblick über sie behalten, sondern sie auch zu einer klaren Linie bündeln musste, versetzte mich in Panik.

Der Schreibforscher Hanspeter Ortner spricht in diesem Zusammenhang von embarras de richesse, also einer «Verwirrung durch Überfülle» (Ortner, Schreiben und Denken). Die kognitive Überlast blockiert den Schreibprozess ebenso wie die sprichwörtliche Angst vor dem leeren Blatt. Aber ihr ist vermutlich leichter beizukommen. Denn wer nichts zu sagen hat und unter einem Mangel an Material leidet, muss sich erst auf die Suche machen: lesen, recherchieren, Hypothesen entwickeln, Ideen generieren. Wer hingegen über zu viel Material verfügt, muss lediglich auswählen und eingrenzen. – Wenn das so einfach wäre!

Daniel Ammann, 8.2.2028


Karl OveKnausgård
Träumen.
Aus dem Norwegischen von Paul Berf und Ulrich Sonnenberg. München: Luchterhand, 2015. 796 Seiten.

Was ist falsch am falschen Hund?

Übersetzungen sind ein Glück – aber immer auch Glückssache. Es ist eine Freude, dass es sie gibt, und ebenso, dass immer wieder neue entstehen. Die vielen Neuübersetzungen bringen allerdings ein Problem mit sich, wenn die aktuelle Übertragung um jeden Preis vom bisherigen abweichen will. Man denke an den Kleinen Prinzen und den Satz: «Man begreift gar nichts, wenn das Herz nicht dabei ist.» Hans Magnus Enzensberger (dtv 2015) hat es sicher gut gemeint, aber an der Formulierung «Man sieht nur mit dem Herzen gut» ist nichts auszusetzen, erst recht, wenn man berücksichtigt, dass es sich schon um ein geflügeltes Wort handelt.

Ich will nicht auf Details herumreiten, aber zwei Beispiele bringen, die mir letzthin aufgefallen (und leicht missfallen) sind.

Anlässlich meiner Jane-Austen-Streifzüge bin ich in der neusten Übersetzung von Andrea Ott (Vernunft und Gefühl. Manesse 2017) über die Formulierung «falscher Fuffziger» gestolpert. Sir John Middleton macht seinem Ärger über den niederträchtigen Willoughby Luft und nennt ihn scoundrel und deceitful dog. Der scoundrel wird in der Regel mit «Schurke» oder «Schuft» wiedergegeben, aus dem deceitful dog wird im Deutschen ein «falscher» oder «hinterlistiger Hund». Andrea Ott macht daraus einen «falschen Fuffziger». Die metaphorische Wendung mit berlinerischem Einschlag bezeichnet zwar ebenfalls einen unaufrichtigen Menschen, nur will das Bild nicht so recht in die englische Szenerie und den Mund des Landadels passen.

Auch wenn eine Neuübersetzung von Hemingways A Moveable Feast (Paris, ein Fest fürs Leben. Rowohlt 2011) zu begrüssen ist und Werner Schmitz (wie uns Thomas Hermann in der NZZ vom 2. Juli 2011 versichert) gute Arbeit geleistet hat, will mir eine Passage in der Übertragung von Annemarie Horschitz-Horst doch besser gefallen. Anlass für einen Vergleich war ein Besuch in Schruns, wo die besagte Textstelle im Biergarten des Hotels Taube auf eine grosse Metallplatte vor dem Schanktisch eingraviert ist.

[…] WIR LIEBTEN VORARLBERG, UND WIR LIEBTEN SCHRUNS […]
ALS ES DEM FRÜHLING ZUGING, GAB ES DIE GROSSE GLETSCHERABFAHRT, GLATT UND GERADE, ENDLOS GERADE, WENN UNSERE BEINE ES DURCHHALTEN KONNTEN; DIE KNÖCHEL ANEINANDERGEDRÜCKT, LIEFEN WIR GANZ TIEFGEDUCKT, ÜBERLIESSEN UNS DER GESCHWINDIGKEIT UND GLITTEN ENDLOS, ENDLOS IM STILLEN ZISCHEN DES KÖRNIGEN PULVERSCHNEES. ES WAR SCHÖNER ALS JEDES FLIEGEN ODER SONST IRGEND ETWAS. […]

Darunter steht als Quelle: Ernest Hemingway, Paris – ein Fest fürs Leben, deutsche Fassung 1965.

In der Übertragung durch Werner Schmitz würde der Text wie folgt lauten:

«Vorarlberg und Schruns gefielen uns sehr. […]
Schließlich die große Abfahrt den Gletscher hinunter, glatt und geradeaus, ewig geradeaus, wenn die Beine das aushielten, die Knöchel eng aneinander, tief gebückt in die Geschwindigkeit gelehnt, fielen und fielen wir im stillen Zischen des frischen Pulverschnees. Das war besser als Fliegen und alles andere […]»

Und zum Vergleich noch im Originalton:

«We loved the Vorarlberg and we loved Schruns. […]
Finally towards spring there was the great glacier run, smooth and straight, forever straight if our legs could hold it, our ankles locked, we running so low, leaning into the speed, dropping forever and forever in the silent hiss of the crisp powder. It was better than any flying or anything else […].»

Daniel Ammann, 11.8.2017 

Jane Austen und die Dashwoods

Jane Austen und die Dashwoods

Am 16. Dezember 2025 feiern wir den 250. Geburtstag der britischen Autorin Jane Austen. 2017 (anlässlich ihres 200. Todestages) erschien bei Manesse eine Neuübersetzung ihres ersten Romans Sense and Sensibility (1811). Das war damals ein Anlass für mich, den ersten Satz genauer unter die Lupe zu nehmen und mit den bisherigen Übertragungen zu vergleichen. Ins Rennen steigen Ruth Schirmer, Erika Gröger, Angelika Beck, Ursula und Christian Grawe, Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié sowie Helga Schulz.

Die acht deutschen Übersetzungen bringen es erstaunlicherweise auf sieben unterschiedliche Varianten.

Vier Mal ist von der «Familie Dashwood» die Rede. In den übrigen Fällen heisst es einfach «Die Dashwoods». Etwas aus der Reihe tanzt die Diogenes-Übersetzung von Erika Gröger: «Die Dashwoods waren eine alteingesessene Familie in Sussex.» Es ist die einzige Übertragung, die für «had long been settled» nicht auf das Wort «ansässig» zurückgreift. In den übrigen Fällen wird die Dauer in kleinen Variationen wiedergegeben: «schon lange», «schon seit langem», «seit langem», «seit langer Zeit schon» und «lange … gewesen».

Die Familie Dashwood war schon lange in Sussex ansässig. 
Andrea Ott (Manesse 2017)


Die Dashwoods waren eine alteingesessene Familie in Sussex.
Erika Gröger (Aufbau-Verlag 1972, Diogenes 1991)

Die Familie Dashwood war seit langem in Sussex ansässig.
Ursula u. Christian Grawe (Reclam 1982, 2025)

Die Dashwoods waren lange in Sussex ansässig gewesen.
Ruth Schirmer (Manesse 1984, btb 2011)

Seit langer Zeit schon war die Familie Dashwood in Sussex ansässig.
Angelika Beck (Insel 1991, 2025)

Die Dashwoods waren seit langem in Sussex ansässig.
Rosemarie Bosshard (Goldmann 1998, btb 2000)

Die Familie Dashwood war schon seit langem in Sussex ansässig.
Helga Schulz (dtv 2000)

Die Dashwoods waren seit langem in Sussex ansässig.
Manfred Allié u. Gabriele Kempf-Allié (S. Fischer 2012)

Übrigens: Der alliterative Titel Sense and Sensibility bleibt am ehesten noch in den Titeln zweier Filmadaptionen erhalten: Sinn und Sinnlichkeit. Die deutschen Buchtitel warten wiederum mit Variation auf: Verstand und Gefühl – Vernunft und Gefühl – Gefühl und Vernunft – Gefühl und Verstand.

Es war auch nicht zu erwarten, dass man einen Roman Kognition und Emotion betitelt.
Oder schlicht: Kopf und Herz.

Daniel Ammann, 20.7.2017/17.10.2025


Jane Austen und die Dashwoods

Jane Austen
Vernunft und Gefühl.
Aus dem Englischen von Andrea Ott. Nachwort von Denis Scheck.
Zürich: Manesse, 2017. 416 Seiten.

Jane Austen
Verstand und Gefühl.
Aus dem Englischen übersetzt von Ursula und Christian Grawe.
Nachwort u. Anmerkungen von Christian Grawe.
Überarbeitete und akutalsierte Ausgabe.
Ditzingen: Reclam, 2025.
 512 Seiten.

Siehe auch den Medientipp «Austen für alle» in Akzente 4 (2017): S. 35 und den Essay «Wie lispelt man auf Deutsch?» in der NZZ vom 7.12.2019, S. 47.
Alle Beiträge zu Jane Austen:

Staubkörner im Lich


Screenshot aus Heidi (Alain Gsponer 2015)

Beim Lesen ist mir immer mal wieder aufgefallen, wie da und dort die Staubpartikel im Sonnenlicht tanzen. Ein vertrautes Bild, das durch die häufige Verwendung seine Originalität, aber nicht seinen Reiz eingebüsst hat. Hier eine Auswahl meiner Fundstücke:

«Streifen und Flecken von Sonnenlicht, das durch ein Fenster weiter oben fiel, ein Dachfenster womöglich, spielten auf dem rotbraunen Gewebe unter ihren Füssen, auf der abgetretenen Stelle oben an der Treppe, auf dem polierten Geländer, auf den Staubkörnchen in der Luft.»
Graham Swift, Ein Festtag

«Ein Sonnenstrahl drang durch die vergitterte Milchglasscheibe und verwandelte die Staubkörner in Tänzer, die sich im Zeitlupentempo bewegten.»
Ian Rankin, Das zweite Zeichen

«Es war kalt im Zimmer, aber durch die Vorhänge drang Sonnenlicht, in dem ein Universum aus Staubpartikeln glitzerte, sachte bewegt vom Luftzug, der durch das undichte Fenster wehte.»
Rolf Lappert, Nach Hause schwimmen 

«[…] das Tageslicht liess den Linoleumboden bei Sonnenschein schwach schimmern und Tausende Staubpartikel in der Luft aufleuchten wie eine Miniaturausgabe der Milchstrasse.»
Karl Ove Knausgård, Spielen

«Ihr Gesicht, das Gesicht einer Heiligen, einer Wiking-Madonna, bezog seinen Glanz von den roten Lampions in der Pinie und schimmerte sanft durch die flimmernden Staubpartikel hindurch, die im Kerzenlicht schwebten.»
F. Scott Fitzgerald, Zärtlich ist die Nacht

«[…] und als ich die Sonnenvierecke auf dem Parkettboden sah, spitzwinklig verzerrt, und darüber die im Licht tänzelnden Staubpartikel, konnte ich in der plötzlichen Verlorenheit nicht anders […]»
Norbert Gstrein, Das Handwerk des Tötens

«Dort, wo die tiefstehende Sonne wie der Lichtkegel eines Theaterscheinwerfers durch die Fenster strahlte, tanzten Staubpartikel. Wenn man in die Hände klatschte, stoben sie für einen Moment auseinander, als ob das Geräusch sie erschreckt hätte.»
Charles Lewinsky, Gerron

«Obwohl das Patientenzimmer regelmässig gelüftet und gereinigt wurde, tanzten feinste Staubpartikel in der Luft und gaben dem Kegel der Sonnenstrahlen die Konturen eines Bühnenscheinwerfers.»
– Sebatian Fitzek, Splitter

«Die Hitze war nach wie vor erdrückend, und die Staubpartikel stiegen auf und glitzerten wie Sterne im Sonnenlicht, das schräg durch die Schlitze im Spielzelt einfiel.»
– John Irving, Zirkuskind

«Feine Staubpartikel flirrten in den lotrechten, messerscharf konturierten Lichtsäulen, die das Zimmer mit Helligkeit erfüllten.»
– Haruki Murakami, Tanz mit dem Schafsmann

«Das Licht, das in einem schrägen Winkel durch die Schaufenster fiel, umspielte ihre Taille und schimmerte auf den Schienbeinen unter ihrem Rocksaum. Er konnte die winzigen Staubpartikel sehen, die zwischen ihren Fussknöcheln in der Luft schwebten, und da war etwas zutiefst Vertrautes in dem fliessenden Muster, das sie dabei bildeten.»
– Anthony Doerr, Winklers Traum vom Wasser

«Durch die Ritzen zwischen den Wandbrettern und im Dach fiel das Sonnenlicht, der ganze Raum war durchzogen von schmalen, staubflirrenden Lichtstreifen.»
– Robert Seethaler, Jetzt wirds ernst

«Sobald eine Staubfahne aus dem Sonnenlicht hinausschwebte, erloschen die Staubteile wie winzige Sterne. Und leuchteten wieder frisch auf, sobald sie einen neuen Sonnenstrahl durchquerten.» – Wilhelm Genazino, Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman 

«Die Tür zur Schankstube öffnet sich, Licht dringt herein. In dem hellgelben Strahl tanzen Staubkörner.»
– Ursula Poznanski, Erebos 

«In den zinnfarbenen Lichtstrahlen, die durch das Ostfenster schräg auf den Altar fielen und in der mittleren Bankreihe verschwanden, tanzten Staubkörner.» – Dennis Lehane, Absender unbekannt

«Die Luft hier drinnen war abgestanden. Staubkörner tanzten in Siebens Glimmen wie ein feiner Nebel und meine Schritte hallten laut durch die Stille.»
– Mechthild Gläser, Stadt aus Trug und Schatten

«Auf dem Treppenabsatz, zwischen den Stockwerken, versucht das schräg hereinfallende Sonnenlicht, ihn aufzuhalten, schneidet seine Beine ab, helle gebogene Streifen, die vor ihm die Stufen rauffallen, Staubkörner, die wie Fische in einem Aquarium durch die Luft treiben.»
– Stewart O’Nan, Halloween

«– einen Moment lang verwandelte sie sich in eine Gestalt aus einer BBC-Sendung, wie sie im langen Kleid einen Feldweg entlangschritt und im Sonnenlicht Mücken und Staubkörner ihr Haar umtanzten.»
Anne Enright, Das Familientraffen

«Zitternd saß er im Heu und verfolgte mit finsteren Blicken die Staubkörner, die in dem Sonnenstrahl umherwirbelten.»
– Astrid Lindgren, Rasmus und der Landstreicher

«Durch das Fenster am Ende des Gangs, dessen schmierige Scheiben nach einer gründlichen Reinigung verlangten, fiel das Licht des sich neigenden Tages. Es war ein sterbender Glanz von kupferner Färbung, ein samtener, beinahe ängstlicher Schimmer, der die in der Luft tanzenden Staubkörnchen wie gläserne Insekten aussehen liess. Obwohl sie vielleicht besser mit einem Pollenregen verglichen würden, wie sie so zögernd und ziellos durch die Luft trieben.»
– Félix J. Palma, Die Landkarte der Zeit 

«Tanzende Partikel von Sonnenlicht drangen hindurch.»
–  John Updike, Witwen 

«Als ich mich auf ein grell orangefarbenes Sofa fallen liess, stieg eine Staubwolke auf, in der sich die durch das Fenster dringenden Sonnenstrahlen fingen.»
– Cory Doctorow, Upload 

«Sie kam unter der Brücke hervor, lief durch einen staubigen Keil Morgensonne, und der Zug verschwand in der Ferne mit einem harmlos klickenden, vorstädtischen Geräusch.»
– Ian McEwan, Abbitte

Magoria by Daniel Ammann