Erinnerung an ein Kunststück

Nebelspalter Februar 1985

Fast hätte ich mein publizistisches Jubiläum vergessen. Vor dreissig Jahren (wenn man von einem Leserbrief absieht) hatte ich meine erste kleine Veröffentlichung.
Angefangen hat alles mit einem Kunststück. Ich hatte dem Nebelspalter ein mittelmässiges Samichlausgedicht zugeschickt … und dann aus einer Laune heraus noch einen satirischen Prosatext mit dem Titel «Ein Kunststück» beigefügt. – Mit den holprigen Versen wusste der Redaktor nichts anzufangen, solcherlei erhalte er ständig, schrieb er zurück. Aber den anderen Text würde er gerne bringen. Im Februar 1985 war es dann so weit. Wie andere Autoren vor mir schlich ich um den Bahnhofskiosk, um zu schauen, ob die neue Ausgabe schon aufliege.

Seither ist einiges an kürzeren und längeren Erzählungen, Kritiken, Artikeln und wissenschaftlichen Beiträgen von mir abgedruckt worden. Das freut mich noch immer jedes Mal – auch weil die Arbeit (oft sehr viel Arbeit) dann wirklich abgeschlossen ist. So schön wie damals ist es natürlich nicht mehr. Aber vielleicht verklärt man das wie den ersten Kuss, den ersten Blick aufs Meer und vieles mehr.

Daniel Ammann, 5.4.2015


«Ein Kunststück.»
Nebelspalter
2 (8. Jan. 1985): S. 34.

 http://dx.doi.org/10.5169/seals-597403 (E-Periodica ETH Zürich)

 Nachtrag 30.12.2025: Das Honorar war 1985 zwar nicht üppig, aber weil der Text im gleichen Jahr – leicht abgeändert und mit ironiefreiem Titel – als «Ein überraschendes Kunstwerk» auch in Das Beste aus Reader’s Digest (Schweiz), als «Un chef-d’œuvre surprenant» in Sélection du Reader’s Digest und als «Kunst auf den Punkt gebracht» in Das Beste aus Reader’s Digest (Deutschland) erschien, bleibt es bis heute wohl mein lukrativstes Prosastück.

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