Zwillingsanfänge

Spätestens seit Umberto Eco wissen wir, dass Bücher miteinander sprechen, auch wenn sie zur Übermittlung menschliche Leserinnen und Leser brauchen. In der Reihe «Zwillings­anfänge» möchte ich einige Beispiele intertextueller Anfänge zeigen. Wie sagt William von Baskerville so schön? «Mir scheint, als ob ich einige dieser Worte schon irgendwo gelesen hätte, sie erinnern mich an ähnliche, die ich früher gehört habe.»

Episode 1: Benedict Wells meets Charles Simmons.

Episode 2: Franz Kafka und Ian McEwan

Episode 3: Charles Dickens und Ian McEwan

Episode 4: Jane Austen und Janice Hadlow

Episode 5: Jane Austen und Seth Grahame-Smith

Jane-Austen-Mashups: Von Zombies und Vampiren
Bleiben wir noch einen Augenblick bei den Bennet-Schwestern aus Jane Austens Stolz und Vorurteil. Ich knüpfe mit einem weiteren Zwillingsanfang an. Bei der Vorbereitung für meinen Schreibkurs zum Thema Imitation habe ich mich nicht nur mit Fortsetzungen, Variationen und Adaptionen, sondern auch mit Mashups beschäftigt. Bei dieser populärkulturellen Spielart werden Werke des literarischen Kanons hemmungslos mit genreuntypischen Elementen, Versatzstücken und intertextuellen Anspielungen verquirlt.

Seth Grahame-Smiths Stolz und Vorurteil und Zombies gilt als prototypisches Beispiel und wurde mit Lily James (als Elizabeth Bennet) und Sam Riley (als Mr. Darcy) bildgewaltig für die Leinwand adaptiert. Die in asiatischen Kampfsportarten und im Umgang mit Waffen geschulten Bennet-Schwestern wissen sich gegen untote Angreifer:innen bestens zur Wehr zu setzen. Derweil sorgt sich die Mutter, ob solches Gebaren nicht auch die Freier in die Flucht schlägt.

Episode 6: E. M. Forster und Zadie Smith

Episode 7: J. D. Salinger und Woody Allen

In Episode 7 meiner Zwillingsanfänge geht es für einmal um eine andere Form der Intertextualität. Anstelle einer thematischen Anspielung oder einer stilistischen Imitation kann man, wie Woody Allen dies in seiner Autobiografie tut, auch direkt auf ein literarisches Vorbild verweisen, sei es als Hommage oder um sich selbst in den literaturhistorischen Kanon einzureihen bzw. davon abzugrenzen. J. D. Salinger seinerseits tut das 1951 in The Catcher in the Rye ebenfalls schon, indem er seinen jugendlichen Ich-Erzähler Holden Caulfield gleich zu Beginn auf Charles Dickens’ Meisterwerk The Personal History of David Copperfield von 1850 anspielen lässt.

Episode 8: Melville taucht auf

Melvilles berühmten ersten Satz aus Moby Dick hatten wir schon. Hier taucht er aus den Tiefen der Textmeere noch einmal auf, zusammen mit dem Zwillingsanfang aus Thomas Langs Roman Melville verschwindet, der dato erscheint.
Der Ich-Erzähler Meander ist besessen von Herman Melville. Als er das elterliche Haus räumt, fällt ihm auch sein unbeendeter Roman über den Schöpfer des Monsterromans Moby-Dick in die Hände, und so mäandert und schlingert der Text zwischen Gegenwart und Vergangenheit. «In den Erinnerungen ruhen Gefühle, schockgefroren, frisch und klar wie am ersten Tag. Mit Lichtgeschwindigkeit tauen sie auf.»

Magoria by Daniel Ammann