Ich trage mich schon lange mit dem Gedanken, ein Buch über den ersten Satz zu schreiben. Aber wie fängt man an?

Bisherige Beiträge und Veröffentlichungen:

«Erste Sätze sind schön, wenn sie klappen. Ich glaube, dieser ist ganz gut», sagt der Autor von «Air» im Interview. So weit einverstanden.
Der NDR-Rezensent glaubt im zweiten Teil des Satzes die aus dem Englischen entlehnte Phrase «but also not really» wiederzuerkennen. Ähnlich scheint es Timo Feldhaus im Feuilleton der «Frankfurter Rundschau» zu ergehen, was ihn prompt dazu verleitet, diesen Zusatz falsch zu zitieren: «aber auch wieder nicht». – Für mich ist die Sache hingegen nicht so eindeutig, denn eine andere (von mir bevorzugte) Lesart legt nahe, dass das Leben zwar voller Sorgen, aber eben gleichzeitig auch nicht wirklich ist. Das trifft schon eher das Thema des Romans, in dem Virtualität und phantasmagorische Zustände heraufbeschworen und zur fiktionalen Wirklichkeit erhoben werden.
Deshalb bin ich gespannt, wie die englische Übersetzung das dann löst. Mit «not really» oder mit «not real».

Julia Schoch schert sich nicht um Chronologie. Früher oder später lande jeder Autor in der Kindheit, zitiert sie ihren Mann. Wie der neue autobiografische Roman (Band 3 der ‹Biographie einer Frau›) zeigt, kann man Geschichten, die weit auseinander liegen, durchaus nah beieinander erzählen, zwischen Epochen hin und her springen und die metaphorische Assoziation über die metonymische Kontiguität siegen lassen. Der erste Satz macht uns zudem darauf aufmerksam, dass man beim Erzählen den Blickwinkel verändern und ganz unterschiedliche Ausgangspunkte wählen kann. Ein Leben hat viele Perspektiven. Warum also nur eine erzählen?
Benedict Wells meets Charles Simmons
Über Zora del Buonos autofiktionales Memoir Seinetwegen und den Schweizer Buchpreis, den sie heute (17.11.2025) dafür erhalten hat, ist schon viel berichtet worden. Hier nur ein flüchtiger Blick auf den Anfang des Romans. – Normalität und vermeintliche Harmlosigkeit geben den Ton an, bereiten den Boden für eine Geschichte, die das Bild der ländlichen Idylle schon im nächsten Satz zum Kippen bringt. Die vertrauten Ostschweizer Ortsnamen auf den Strassenschildern wecken bei der Ich-Erzählerin dunkle Erinnerungen und setzen mit Fragen nach Hintergründen und Wahrheiten etwas in Gang. Nicht umsonst würdigt die Jury diesen dicht komponierten Rechercheroman in ihrer Medienmitteilung als «leisen, unprätentiösen Text voll existentieller Wucht».

Alles auf Anfang – eine kleine Poetik der ersten Sätze
«Ein Satz – schon sitzt man in der Tinte»
Neue Zürcher Zeitung 3.7.2019, S. 36.
nzz.ch/feuilleton/
Der erste Satz, heisst es, entscheide quasi über das Schicksal eines Romans oder einer Erzählung. Da wundert es einen, dass überhaupt noch ein Autor, eine Autorin den Stift aufs leere Blatt setzen mag. Wie kommen Anfänge eigentlich zustande – und gibt es ein Rezept für den guten Start?
Es war einmal ein Anfang
So wollte ich schon immer einen Text beginnen.
Mit einem Knall, nicht mit Gewinsel.
Der Bachmannpreis 2024 und die ersten Sätze
Der Bachmannpreis 2024 ist Geschichte. Ich wollte wissen, wie die Texte und ihre ersten Sätze abschneiden. (Linkedin 30.6.2024)
Und hier geht es zu den Zwillingsanfänge.


