Kathrin Schrocke: Freak City

Kathrin Schrocke: Freak City

Nach der unerwarteten Trennung von seiner Freundin Sandra muss der 15-jährige Mika erst wieder Fuss fassen. Alles hatte so gut gepasst, und jetzt stehen die Sommerferien vor der Tür, und es bleiben nur schmerzhafte Erinnerungen, geplatzte Zukunftsträume und ein greller Graffito an der Zimmerwand mit den Worten «Sandra & Mika forever!». Erst als der Ich-Erzähler im alternativen Jugendtreff «Freak City» die gehörlose Lea kennenlernt, beginnt sich der Horizont zu lichten. Kurzerhand lässt sich Mika von der Gebärdendolmetscherin Biene zu einem Intensivkurs überreden.
Aber der Schritt in die Welt der Gehörlosen bringt Ängste und Reibungen mit sich. Mikas Familie reagiert verhalten bis abweisend; er wagt es nicht, seinen Kumpels etwas zu erzählen, und Sandras neuerliche Annäherungsversuche, gepaart mit herablassenden Bemerkungen über «dieses taube Mädchen», sorgen für reichlich Gefühlschaos. Selbst wenn Lea schreiben und von den Lippen ablesen kann, spricht sie doch eine andere Sprache und gehört einer Kultur an, die Mika noch völlig fremd ist. So kann er kaum begreifen, dass sich Gehörlose in ihrer Haut wohl fühlen und sich sogar gehörlose Kinder wünschen. Aber es gibt auch Momente des Glücks, in denen sich die beiden nahe kommen, etwa bei einem Konzert des gehörlosen finnischen Rappers Signmark oder an einem Filmabend mit Untertiteln.
Kathrin Schrocke erzählt diese ungewöhnliche Liebesgeschichte mit feinem Gespür und zartem Humor. Durch Mikas Augen lässt sie uns einen Blick in die lautlose Welt der Gehörlosen werfen und räumt nebenher mit Vorurteilen auf.

Daniel Ammann, 20.4.2011

Buch & Maus 1 (2011): S. 31.
SIKJM Rezensionsdatenbank
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Kathrin Schrocke.
Freak City.
Mannheim: Sauerländer, 2010.
205 Seiten.
Kathrin Schrocke: Freak City

Hack’s selbst!

«Hacken statt Häkeln: Ideen für technische Basteleien rund um Computer und Internet.»
NZZ am Sonntag 29.11.2015, Literaturbeilage  «Bücher am Sonntag», S. 15.

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Chris Köver, Daniela Burger u. Sonja Eismann.
Hack’s selbst! Digitales Do it yourself für Mädchen.
Weinheim: Beltz & Gelberg, 2015. 144 Seiten. Ab 13 Jahren.

Romantherapie für Kinder

Lesen hilft. Noch besser ist es, wenn einem das richtige Buch zum richtigen Zeitpunkt in die Hände fällt. Aus diesem Grund haben Ella Berthoud und Susan Elderkin vor Jahren schon eine Romantherapie entwickelt und in Zusammenarbeit mit Traudl Bünger für den deutschen Sprachraum einen ersten Leitfaden in Buchform veröffentlicht. Damit nun auch Kinder in den Genuss der passenden Lektüre kommen, stellen die Autorinnen in ihrem Nachfolgeband 233 ausgesuchte Titel vor, «die Kinder glücklich, gesund und schlau machen». Aufgebaut ist Die Romantherapie für Kinder wie ein medizinisches Handbuch: Man schlägt das jeweilige «Leiden» nach und erhält Anregungen für ein oder zwei Bücher, die das Thema in einer Geschichte für junge Leserinnen und Leser behandeln. 

Kinder brauchen Geschichten. Die Idee ist nicht neu, aber im Zeitalter digitaler und audiovisueller Zerstreuung muss man für die Aufmerksamkeit eine Lanze brechen. Wenn es um die Hingabe und das Eintauchen in eine Geschichte geht, steht das Lesen fast an erster Stelle. Nicht nur das Tempo lässt sich anpassen, man wird auch nicht von unliebsamen Bildern überrumpelt und kann jederzeit eine Pause einlegen, um über das Geschehen und seine Hintergründe nachzudenken. 

Therapievorschläge – das klingt auf den ersten Blick defizitorientiert oder nach Lese-Apotheke. So ist es bestimmt nicht gemeint, wie die zum Teil ironisch gefassten «Leiden» verdeutlichen. Vielmehr wird in lustvoller Weise für das Lesen und Vorlesen geworben und auf fesselnde und fantasievolle Geschichten hingewiesen. Buchstabensymbole am Rand geben jeweils an, ob es sich bei den Titeln um Bilderbücher, Texte für Anfänger, junge Leserinnen oder Teenagerliteratur handelt. Von A wie Abenteuerlust bis Z wie Zwilling findet sich fast alles. Zudem enthält die Sammlung ein Dutzend erfrischende Tipps für spezielle «Leseleiden» sowie 74 thematische Hitlisten, zum Beispiel den zehn besten Graphic Novels, Bücher mit Vorbildern für Jungs oder Mädchen, Hörbücher für lange Fahrten, Geschichten für Möchtegernsuperhelden, über Pferde, Vampire und Fussball. 

Die Romantherapie für Kinder richtet sich an Erwachsene, die in ihrer Rolle als Eltern, Gross­eltern, Erzieherinnen, Bibliothekare, Lehrpersonen, Gotte und Götti oder Onkel und Tante zu anregendem Lesestoff verhelfen möchten. Ihnen allen ist «seit langem klar, dass es für Kinder und Jugendliche in einem schwierigen Augenblick oft nichts Besseres gibt als eine Geschichte, völlig unerheblich, ob sie in der Schule gemobbt werden, zum ersten Mal verliebt sind oder das liebste Kuscheltier verschollen ist».  – Und wer weiss, vielleicht verlieren sich die verkappten Bibliotherapeuten dann selbst in den Empfehlungen und beginnen darüber nachzusinnen, was ihnen dieses oder jenes Buch aus der Kindheit bedeutet hat. Damit die heranwachsenden Leserinnen und Lesern ebensolche Erfahrungen machen, brauchen sie Lieblingsbücher mit Heldinnen und Helden, die sich den Widrigkeiten des Alltags stellen oder mit denen sie diesem Alltag entfliehen und wilde Abenteuer erleben dürfen.

 Daniel Ammann, 27.11.2017

«Kinder- und Jugendbücher für alle Lebenslagen.» 
Akzente 4 (27.11.2017).
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Ella Berthoud, Susan Elderkin und Traudl Bünger
Die Romantherapie für Kinder.
Aus dem Englischen von Katja Bendels und Kirsten Riesselmann.
Berlin: Insel Verlag, 2017. 372 Seiten.

Am medialen Pranger

«Am medialen Pranger.»
NZZ am Sonntag 29.6.2016, Literaturbeilage  «Bücher am Sonntag», S. 12.
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Jennifer Mathieu.
Die Wahrheit über Amy.
Aus dem Amerikanischen von Ivana Marinovic.
München: dtv, 2016. 239 Seiten. Ab 14 Jahren.

Johanna Nilsson.
Hass gefällt mir.
Aus dem Schwedischen von Maike Dörries.

Weinheim: Beltz & Gelberg, 2016. 169 Seiten. Ab 14 Jahren.

Magoria by Daniel Ammann