Sternstunde Medienbildung

Seit die Medienrevolution losgelegt hat und mit wachsendem Tempo Wellen technischer Innovationen, neuer Formate und wechselnder Angebote über die Welt ergiesst, ist unser Reaktions- und Reflexionsvermögen ständig gefordert. Es bleibt kaum Zeit, einen Schritt zurückzutreten, um die jüngsten Umwälzungen aus nüchterner Distanz zu betrachten. Dieser kulturellen Kurzatmigkeit schlägt Christian Doelker ein raffiniertes Schnippchen. Er lädt zu einer ungezwungenen Plauderrunde mit hochkarätigen Teilnehmern und verstrickt uns im Nu in zentrale Fragen und Debatten unserer Geistes- und Kulturgeschichte. 

In einer fiktiv-virtuellen Radiosendung unter der Leitung des spanischen Kulturphilosophen José Ortega y Gasset unterhalten sich (und das Publikum) Persönlichkeiten wie der Philosoph Platon, der Pädagoge Comenius, der Naturforscher Charles Darwin, die Impressionistin Berthe Morisot und Filmikone Marilyn Monroe. So originell das Konzept, so originär sind deren Redebeiträge. Denn so viel ist klar: Ohne Zugriff auf unser verfügbares Weltgedächtnis ist der medialen Gegenwart kaum beizukommen. Der transhistorische Blick überwindet das Transitorische und macht ein sinnstiftendes Nachdenken erst möglich. Während Platon den Bildschirm fast bewahrpädagogisch als Monitor der Unterwelt tituliert, begrüsst ein Johann Amos Comenius die digitalen Archive, in denen sein Kompendium der sichtbaren Welt eine willkommene Fortsetzung erfährt. Ohne angemessene Bildung ist allerdings auch der mediale Bilderbogen nicht viel nütze. Dem wiederum hält Berthe Morisot entgegen, dass sich das Geheimnis eines Kunstwerks durch theoretische Annäherungen noch lange nicht ausschöpfen lässt. Marilyn Monroe warnt derweil davor, dass Medienbilder unsere Vorstellungen wesentlich mitprägen, aber durch ihren Vorbildcharakter auch Klischees und Illusionen kultivieren. Mit Darwin darf man am Ende zu Recht fragen, wohin sich der Mensch in dieser mediendurchsetzten Umwelt wohl entwickeln wird. 

In vier kompakten Sendeblöcken (bzw. Kapiteln) entfaltet Christian Doelker eine kompakte Medienkosmologie – von grundlegenden Betrachtungen zur Mediengesellschaft über mediale Codierungen und Strategien der Informationsverarbeitung bis hin zu meditativen Reflexionen unseres Nutzungsverhaltens. Die Positionen der virtuellen Gesprächs­teilnehmer lassen sich dabei nicht nur in der Geschichte festmachen, sondern bilden in ihrer Stimmenvielfalt den aktuellen Mediendiskurs ab. Dennoch kommen die pointierten Thesen und Einwürfe so leichtfüssig daher, dass sie – wie es sich für eine Radiosendung gehört – gar keiner Fussnoten bedürfen. Stattdessen führt ein Anhang entlang essenzieller Kurzbeiträge in die theoretischen Ansätze des Zürcher Medienpädagogen ein. 

Als Medienkulturwissenschaftler avant la lettre gelingt es Christian Doelker, exemplarische Argumentationsstränge aus Philosophie, Kunstgeschichte, Philologie, Bildtheorie und den Kommunikationswissenschaften zu bündeln und daraus mit Scharfsinn und Ironie einen lesbaren Medientext zu flechten. 

Daniel Ammann, 23.5.2017 

«Sternstunde Medienbildung.»
Akzente 2 (23.5.2017).
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Christian Doelker.
Der Medien-Code: Marilyn Monroe, Berthe Morisot, Charles Darwin, Comenius und Platon im Gespräch über die digitale Gesellschaft.
Bern: hep verlag, 2016. 126 Seiten.

Buchtrailer

Buchtrailer

Leseförderung und Filmbildung mit digitalen Medien

Was der Klappentext für das Buch, ist der Trailer für den Film: Er soll Appetit machen auf das ganze Produkt. In Zeiten der Medienkonvergenz wird Literatur auch mit filmischen Mitteln vermarktet: über Buchtrailer.

Daniel Ammann, Beat Küng und Stephan Brülhart.
«Buchtrailer oder: Marketing fürs Lesen.»
Buch & Maus 2 (2013): S. 19–21.
Download (korrigierte Version mit Farbabbildungen)
Ganzes Heft 2/2013

Buchtrailer

 

Laura, Lars & Co.

«Laura, Lars & Co.: Geschichten und Figuren in verschiedenen Medien.»

Trickfilm entdecken: Animationstechniken im Unterricht.
Hrsg. v. Daniel Ammann und Arnold Fröhlich.
Zürich: Verlag Pestalozzianum, 2008. S. 21–24.

Die virtuellen Freunde der Kinder sind oft gleichzeitig in ganz unterschiedlichen Medien verfügbar. Bei der Lancierung eines neuen Produkts spielen Strategien der Vermarktung eine wichtige Rolle. Ein literarischer Stoff wird zum Beispiel als Spielfilm oder TV-Serie umgesetzt, als Hörbuch oder Hörspiel auf verschiedenen Tonträgern produziert und kommt als interaktives Computerspiel auf CD-ROM auf den Markt. Ergänzt werden diese Angebote durch eine breite Palette von Merchandising-Artikeln.
Die Beschäftigung mit beliebten Medienfiguren und Geschichten bietet im Unterricht Gelegenheit, der Faszinationskraft von Trickfilmen nachzugehen sowie Grenzen und Möglichkeiten unterschiedlicher medialer Darbietungsformen zu erkennen.

Virtualität als Unterrichtsgegenstand

«Virtualität als Unterrichtsgegenstand? – Aufgaben und Ziele schulischer Medienbildung.»
Daniel Ammann & Friederike Tilemann.

Bilder und Töne entziffern / Des Images et des sons à déchiffrer.
Baden: hier + jetzt, 2009. S. 98–106.

ISBN 978-3-03919-121-5

Bestellen: https://www.hierundjetzt.ch/de/catalogue/bilder-und-tone-entziffern_13000275/

Im Unterricht werden audiovisuelle Dokumente nach wie vor hauptsächlich als Illustrationsmaterial eingesetzt. Die vertiefte Interpretation von Fernseh-, Radio- und Filmbeiträgen sollte aber einen gewichtigeren Platz in der Bildungslandschaft bekommen. Der Tagungsband zu dem von Memoriav in Aarau veranstalteten Kolloquium versammelt pädagogische und didaktische Initiativen sowie Methoden, die auf verschiedenen Bildungsstufen nach der Inszenierung und der Wirkung von Bild- und Tondokumenten fragen.

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Geschichten zum Mitspielen

«Geschichten zum Mitspielen: Kinder-CD-ROMs.»
Kinder- und Jugendliteratur im Medienverbund: Grundlagen, Beispiele und Ansätze für den Deutschunterricht (kjl&m 07.extra). Hrsg. v. Petra Josting u. Klaus Maiwald. München: kopaed, 2007. S. 120–130.

Wenn Geschichten der Kinder- und Jugendliteratur als Hörbücher oder Hörspiele herauskommen, fürs Kino verfilmt oder als Zeichentrickserie fürs Fernsehen produziert werden, so handelt es sich dabei um etablierte und weitgehend vertraute Mediengenres und Textsorten. Seit einiger Zeit sind Adaptionen für den Computer ebenfalls üblich und gehören zur medienübergreifenden Vermarktung beliebter Stoffe dazu.

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Dossier Medienkompetenz

Dossier Medienkompetenz: Aktiver Unterricht rund um die Medien.

Herausgegeben von der Stadt Zürich. April 2009. 51 Seiten.
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Das Dossier Medienkompetenz unterstützt die Lehrpersonen zu einem aktiven Unterricht mit Medien. Ziel ist die Stärkung der Medienkompetenz von Schülerinnen und Schülern der Volksschule. Es zeigt auf, wie die Ziele der beiden Lehrpläne «Medienerziehung» und «Informatik» mit Hilfe von zahlreichen Unterrichtsimpulsen im Klassenzimmer umgesetzt werden können.

Enthält: Ammann, Daniel. «Mit Medien unterwegs – Medienkompetenz als Unterrichtsziel.» S. 8–9.

Magoria by Daniel Ammann