Kanonaden für die Literatur

Kanonaden für die Literatur

Brauchen wir Geschichten? Macht uns das Lesen zu besseren Menschen? Wenn es um so gewichtige Fragen geht, sprechen die guten Bücher für sich. Wem das nicht genügt, für den oder die gibt es Lektüreempfehlungen en masse. Der Literaturkanon galt lange als letztes Bollwerk gegen den Kulturverfall. Jetzt meldet er sich mit frischer Stimme zurück und versucht, jenseits der Bestsellerlisten die Masse zu begeistern. Tobias Blumenberg etwa drückt uns nicht einfach seinen kiloschweren Lesebegleiter (Kiepenheuer & Witsch 2019) in die Hand, sondern erzählt voller Inbrunst von seinen Leseabenteuern und nimmt uns auf eine 800 Seiten lange «Entdeckungsreise durch die Welt der Bücher» mit.

Literaturkritiker Denis Scheck, bekannt aus der ARD-Sendung «druckfrisch», geht geordneter, aber nicht minder persönlich vor, wenn er uns in Schecks Kanon (Piper 2019) notorisch unbescheiden, aber stets lustvoll die «100 wichtigsten Werke der Weltliteratur von ‹Krieg und Frieden› bis Tim und Struppi›» in lebendigen Porträts ans Herz legt.

In Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen (Kunstmann 2016) denkt auch Autor und Übersetzer Tim Parks kritisch und entlarvend über die Welt des globalen Buchmarkts nach – über internationale Literaturpreise, den Sinn des Copyrights, E-Books, Schriftstellerkarrieren oder die Frage, ob wir Bücher zu Ende lesen sollen. In seinen ebenso fein- wie scharfsinnigen  Essays geht es Parks um Kultur an sich. Welche Bedeutung hat Literatur heute noch und was können Leserinnen und Leser überhaupt von Büchern erwarten?

Daniel Ammann, 28.8.2020

«Kanonaden für die Literatur.»
Akzente 3 (2020): S. 35.
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Tobias Blumenberg
Der Lesebegleiter: Eine Entdeckungsreise durch die Welt der Bücher.
Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2019. 777 Seiten.

Denis Scheck
Schecks Kanon: Die 100 wichtigsten Werke der Weltliteratur; von «Krieg und Frieden» bis «Tim und Struppi».
München: Piper, 2019. 480 Seiten.

Tim Parks
Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen.
Aus dem Englischen von Ulrike Becker und Ruth Keen.
München: Kunstmann Verlag, 2016. 239 Seiten.

Hütet euch vor den Helden

Hütet euch vor den Helden

Autorinnen und Autoren können zu persönlichen Helden werden. Aber in ihren eigenen Romanen kommen sie mitunter ganz schlecht weg. Deshalb «Niemals den Helden begegnen», wie Henry David Thoreau in der Serie «Dickinson» zur Dichterin Emily Dickinson sagt.

«Hütet euch vor den Helden.» 

Neue Zürcher Zeitung 14.8.2020, S. 30.
 nzz.ch/feuilleton/

Die Dichterin Emily Dickinson (Hailee Steinfeld unter ihrer Eiche (Screenshot aus der TV-Serie «Dickinson», S1E04)

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Die Ungeheuer unter dem Bett

Die Ungeheuer unter dem Bett
«Lauert das Ungeheuer unter dem Bett?» 

Neue Zürcher Zeitung 29.4.2020, S. 28. (Online 27.4.2020 unter dem Titel «Immer muss man damit rechnen, dass da ein Ungeheuer unter dem Bett lauert.»
 nzz.ch/feuilleton/
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Kinderbücher sind voll von Gespenstern und Dämonen. Mit der Lust an der Angst lernen Kinder auch mit realen Ängsten und Nöten umzugehen.

      

Neil Gaiman: Coraline. Aus dem Amerikanischen von Cornelia Krutz-Arnold. Arena-Verlag, Würzburg 2009 (Verfilmung: Coraline. USA 2008. Regie und Buch: Henry Selick / DVD 2011).

Brian Selznick: Wunderlicht. Aus dem Amerikanischen von Uwe-Michael Gutzschhahn. Verlag CBJ, München 2012 (Verfilmung: Wonderstruck. USA 2017. Regie: Todd Haynes. Drehbuch: Brian Selznick)

Neal Shusterman: Kompass ohne Norden. Mit Illustrationen von Brendan Shusterman. Aus dem Englischen von Ingo Herzke. Hanser-Verlag, München 2018.

Lemony Snicket: Der Seufzersee. Eine Reihe betrüblicher Ereignisse. Band 3. Aus dem Amerikanischen von Klaus Weimann. Mit Illustrationen von Brett Helquist. Verlag CBJ, München 2009.

Figuren an der langen Leine

Figuren an der langen Leine
 

Das Verhältnis zwischen Schriftsteller:innen und ihren Figuren ist manchmal ganz schön vertrackt. Wer treibt da eigentlich wen? Es gibt die literarischen Autokraten, die ihre Charaktere flach auf dem Papier halten. Und dann die Autorinnen und Autoren, die das Gefühl haben, sogar den Alltag mit ihren Figuren zu teilen. Welche Fraktion ist grösser?


«‹Sie sind Kleiderbügel!› – ‹Nein, sie leben.›»
Neue Zürcher Zeitung 14.3.2020, S. 39.
Online-Titel (16.3.2020): «Wer treibt da wen? Das Verhältnis zwischen Schriftstellern und ihren Figuren ist manchmal ganz schön vertrackt.»
nzz.ch/feuilleton/

Verwunschene Bibliotheken

Verwunschene Bibliotheken

«Verwunschene Bibliotheken.»
Akzente 1 (2020): S. 35.

David Foenkinos
Das geheime Leben des Monsieur Pick.
Aus dem Französischen von Christian Kolb.
München: Penguin, 2018. 336 Seiten.

Le Mystère Henri Pick. (Der geheime Roman des Monsieur Pick)
Frankreich/Belgien 2019. Regie: Rémi Bezançon.

Alexander Pechmann
Die Bibliothek der verlorenen Bücher.
Berlin: Aufbau Digital, 2015. 226. Seiten.

Carlos Ruiz Zafón
Der Schatten des Windes.
Aus dem Spanischen von Peter Schwaar.
Frankfurt/M.: Insel, 2003. 529 Seiten.

 blog.phzh.ch/akzente/2020/02/26/verwunschene-bibliotheken/
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Magoria by Daniel Ammann