Bloggen übers Schreiben

«Wenn ein Mensch schreiben will», so die schottische Schriftstellerin A. L. Kennedy, «lässt er sich nur davon abhalten, wenn man ihn bis zu einem gewissen Grad umbringt.» Die Autorin zahlreicher Romane und Kurzgeschichten-Sammlungen weiss, wovon sie spricht. Sie liebt ihre Arbeit über alles, aber trotz beachtlichem Erfolg ist das Leben einer Berufsschriftstellerin kein Honiglecken. Davon berichtet die vielseitige Autorin und Alleinunterhalterin in den 68 Blogbeiträgen, die sie von 2009 bis 2013 für den englischen Guardian verfasst hat. Eine Auswahl dieser ebenso geistreichen wie amüsanten Texte ist nun unter dem Titel Schreiben auch auf Deutsch erhältlich. Ergänzt wird der Band durch zwei Essays zu handwerklichen Fragen des Schreibens und eine schriftliche Fassung ihres Bühnen-Soloprogramms «Words». 

Mit ihren «Blogs und Essays» (so der Untertitel des Werkstattbuchs) gewährt uns die Autorin einen intimen Blick in ihren unsteten Alltag und wartet mit handfesten Tipps zum Schreibhandwerk auf. Von Schreibausbrüchen bis zu Vermeidungsstrategien ist ihr nichts fremd. Dazu gehört auch immer wieder das Scheitern. Jedes langfristige Schreibprojekt bedeutet schliesslich «einen riesigen und möglicherweise aberwitzigen Aufwand an Zeit und Engagement, etwas, das Ihnen jederzeit unter den Händen zerbröseln kann». Deshalb geht es in Kennedys Ausführungen nicht nur ums Schreiben, wie sie betont, sondern um ihr ganzes Leben. So ist es für die Autorin und Performerin eine Überlebensfrage, eine eigene Stimme zu finden. Wenn es nach ihr ginge, müsste Stimmarbeit sogar Teil des allgemeinen Lehrplans sein: «Was wäre, wenn wir beim Schreiben und beim Sprechen kraftvolle, lebendige Freiheit fänden, die sich ungehemmt ausdrücken liesse?»

A. L. Kennedys Betrachtungen und Selbstbeobachtungen sind auch für Leserinnen und Leser aufschlussreich, die selbst nicht schreiben (wollen), aber an kreativen Prozessen und Aspekten des Literaturbetriebs interessiert sind.  

Daniel Ammann, 25.8.2017

«Bloggen übers Schreiben – Aus dem Leben einer Autorin.»
Akzente 3 (25.8.2017): Online-Ausgabe.
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A. L. Kennedy 
Schreiben: Blogs & Essays.
Aus dem Englischen von Ingo Herzke. 
München: Carl Hanser, 2016. 207 Seiten.

Buchtrailer

Buchtrailer

Leseförderung und Filmbildung mit digitalen Medien

Was der Klappentext für das Buch, ist der Trailer für den Film: Er soll Appetit machen auf das ganze Produkt. In Zeiten der Medienkonvergenz wird Literatur auch mit filmischen Mitteln vermarktet: über Buchtrailer.

Daniel Ammann, Beat Küng und Stephan Brülhart.
«Buchtrailer oder: Marketing fürs Lesen.»
Buch & Maus 2 (2013): S. 19–21.
Download (korrigierte Version mit Farbabbildungen)
Ganzes Heft 2/2013

Buchtrailer

 

Kathrin Schrocke: Freak City

Kathrin Schrocke: Freak City

Nach der unerwarteten Trennung von seiner Freundin Sandra muss der 15-jährige Mika erst wieder Fuss fassen. Alles hatte so gut gepasst, und jetzt stehen die Sommerferien vor der Tür, und es bleiben nur schmerzhafte Erinnerungen, geplatzte Zukunftsträume und ein greller Graffito an der Zimmerwand mit den Worten «Sandra & Mika forever!». Erst als der Ich-Erzähler im alternativen Jugendtreff «Freak City» die gehörlose Lea kennenlernt, beginnt sich der Horizont zu lichten. Kurzerhand lässt sich Mika von der Gebärdendolmetscherin Biene zu einem Intensivkurs überreden.
Aber der Schritt in die Welt der Gehörlosen bringt Ängste und Reibungen mit sich. Mikas Familie reagiert verhalten bis abweisend; er wagt es nicht, seinen Kumpels etwas zu erzählen, und Sandras neuerliche Annäherungsversuche, gepaart mit herablassenden Bemerkungen über «dieses taube Mädchen», sorgen für reichlich Gefühlschaos. Selbst wenn Lea schreiben und von den Lippen ablesen kann, spricht sie doch eine andere Sprache und gehört einer Kultur an, die Mika noch völlig fremd ist. So kann er kaum begreifen, dass sich Gehörlose in ihrer Haut wohl fühlen und sich sogar gehörlose Kinder wünschen. Aber es gibt auch Momente des Glücks, in denen sich die beiden nahe kommen, etwa bei einem Konzert des gehörlosen finnischen Rappers Signmark oder an einem Filmabend mit Untertiteln.
Kathrin Schrocke erzählt diese ungewöhnliche Liebesgeschichte mit feinem Gespür und zartem Humor. Durch Mikas Augen lässt sie uns einen Blick in die lautlose Welt der Gehörlosen werfen und räumt nebenher mit Vorurteilen auf.

Daniel Ammann, 20.4.2011

Buch & Maus 1 (2011): S. 31.
SIKJM Rezensionsdatenbank
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Kathrin Schrocke.
Freak City.
Mannheim: Sauerländer, 2010.
205 Seiten.
Kathrin Schrocke: Freak City

Schreiben lehren

Wenn Studierende an einer Schreibaufgabe scheitern, haben nicht unbedingt die Lernenden versagt. Gelegentlich liegt es an der Schreibaufgabe. Das ist überspitzt formuliert, knüpft aber an einen entscheidenden Punkt des kompetenzorientierten Lernens und Lehrens an: Wie und wo habe ich als Lehrende die Aufgabe begleitet? Welche Erwartungen stelle ich, und sind die Lernenden dieser Herausforderung (schon) gewachsen? Damit eine anspruchsvolle Aufgabe bewältigbar ist, braucht es Vorwissen und Begleitung. Was können Dozierende zum Gelingen beitragen – in der Lehre, durch Beratung oder in Form von weiteren Unterstützungsangeboten? 

In ihrem Buch Schreiben in der Lehre legt Swantje Lahm nicht nur anschaulich dar, worauf es ankommt, sondern zeigt auf, welche curricularen oder kompetenzorientierten Teilschritte Studierende auf komplexe Schreibaufgaben vorbereiten und wie sich authentische Schreib- und Lernanlässe in Lehrveranstaltungen einbinden lassen. 

Wir erwarten von Studierenden, dass sie mehrere Kompetenzbereiche einer Masterarbeit meistern. Dabei geht oft vergessen, dass neben fachlichem Wissen, Textsortenkenntnissen und rhetorischem Know-how nicht zuletzt auch Fertigkeiten und handfeste Strategien im Umgang mit dem Schreibprozess erforderlich sind. Ohne schrittweises Heranführen an diese Kompetenzen verbunden mit regelmässigen Übungsgelegenheiten wird die grosse schriftliche Arbeit unweigerlich zum Hochseilakt. Lahm fordert nicht nur eine Verankerung des Schreibens in der Lehre, sie liefert dazu gleich zahlreiche Hinweise und illustrative Beispiele für entwicklungsorientierte Schreibaufträge in der Praxis. 

Fazit: Elaboriertes Schreiben muss nicht nur eingefordert, sondern adressatengerecht angeleitet, an konkreten Aufgabenstellungen geübt und durch systematisches Feedback weiterentwickelt werden.

Daniel Ammann, 25.8.2017

«Schreiben lehren.» 
Akzente 3 (25.8.2017): Online-Ausgabe.
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Swantje Lahm 
Schreiben in der Lehre: Handwerkszeug für Lehrende.
Opladen: Verlag Barbara Budrich, 2016. 190 Seiten.

Hack’s selbst!

«Hacken statt Häkeln: Ideen für technische Basteleien rund um Computer und Internet.»
NZZ am Sonntag 29.11.2015, Literaturbeilage  «Bücher am Sonntag», S. 15.

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Chris Köver, Daniela Burger u. Sonja Eismann.
Hack’s selbst! Digitales Do it yourself für Mädchen.
Weinheim: Beltz & Gelberg, 2015. 144 Seiten. Ab 13 Jahren.

Magoria by Daniel Ammann