Momente der Wahrheit

Momente der Wahrheit

Der Fall ist klar. Ein junger Autor gelangt in den Besitz eines 65 Jahre alten Romanmanuskripts, tippt es Wort für Wort ab und veröffentlicht den Text unter seinem eigenen Namen. Über die Schuldfrage bestehen keine Zweifel. – Über authentisches Schreiben zwischen Scham, Schmerz und Schuld.

«Momente der Wahrheit – Schreiben zwischen Schmerz und Scham. Eine Fallanalyse anhand des Spielfilms The Words.» Schreiben und Scham: Wenn ein Affekt zur Sprache kommt. Hrsg. v. Monique Honegger. Giessen: Psychosozial-Verlag, 2015. S. 105–124.

The Words – Der Dieb der Worte.
USA 2012. Zürich: Ascot Elite Home Entertainment, 2013. DVD.

Ein junger Mann entdeckt ein Manuskript, das von einer tragischen Liebesgeschichte erzählt. Wort für Wort tippt er den Text in den Computer, und um seine Liebste in ihrer Begeisterung nicht zu enttäuschen, lässt er sie und die Welt im Glauben, es handle sich um sein Werk. Der Held wird zum literarischen Shootingstar. Doch dann meldet sich ein alter Mann, der sich als der wahre Autor zu erkennen gibt …

 

 

Panoptikum der Phantasiegefährten

Panoptikum der Phantasiegefährten

«Panoptikum der Phantasiegefährten: Spielkameraden, Verbündete, Tröster – imaginäre Freunde in Literatur und Film.»

Neue Zürcher Zeitung 26./27.9.2015: S. 51–51. 

Sie können in jeglicher Erscheinungsform auftreten, denn real sind sie nicht. Sie entspringen unserer Phantasie und sind zu einem festen Topos in Büchern und Filmen geworden: imaginäre Gefährten.

Stimmen aus dem Off: Filmsynchronisation

Stimmen aus dem Off: Filmsynchronisation

«Stimmen aus dem Off: Die Synchronisation von Filmen ist weit mehr als Übersetzung.»
Neue Zürcher Zeitung 26.4.2014: S. 56.

Während viele Kinogänger es vorziehen, untertitelte Originalfassungen von Filmen zu schauen, steigt der Marktanteil von Synchronfassungen. Die Übertragung der Dialoge bereitet indes mitunter beinahe unlösbare Probleme – etwa wenn die Sprachdifferenz Teil der Filmhandlung ist.

Babylonische Bilderwelten

«Babylonische Bilderwelten.»
Kirchenbote der Evangelisch-Reformierten Kirche des Kantons St. Gallen 7-8 (Juli 2015): S. 5.

Bilder sind Segen und Fluch. Die mediale Bilderflut hat diesen Zwiespalt noch verschärft. Mit der Entdeckung der Fotografie im 19. Jahrhundert avancieren Bilder rasch zur technischen Massenware. Dank neuer Druckverfahren, Kino, Bildtelegrafie, Fernsehen, durch Computer und Internet treten sie ihren unaufhaltsamen Siegeszug an.
Download (S. 5)

 Kirchenbote Juli 2017 (Artikel)

      © Bild: René Magritte

Auster: Das rote Notizbuch

Die Wirklichkeit ist mitunter fantastischer als die Fiktion. Wer wüsste das besser als Paul Auster, der Meister des Zufalls. Nicht selten stellen in seinen Romanen schicksalhafte Wendungen die Weichen und zwingen seine Leserinnen und Leser, ihre Ungläubigkeit ausser Kraft zu setzen. «Am Ende ist jedes Leben nicht mehr als die Summe von Zufällen», sinniert ein Ich-Erzähler in der New-York-Trilogie, «eine Chronologie von unerwarteten Überschneidungen, glücklichen Zufällen, wahllosen Ereignissen, die nichts als ihre eigene Planlosigkeit enthüllen.» 

In Austers Universum stehen die Tatsachen den Erfindungen allerdings in nichts nach, wie er in seinem Roten Notizbuch anhand anekdotischer Erlebnisberichte dokumentiert. Seit 1992 ist das dünne Bändchen immer wieder um Episoden erweitert und neu aufgelegt worden. Die vorliegende Ausgabe vereint zum ersten Mal sämtliche wahren Geschichten, die der Autor über die Jahre zusammengetragen hat und für deren Echtheit er sich mehrfach verbürgt. «Das ist wirklich geschehen», beschliesst er die Erzählung über einen mysteriösen Telefonanruf, der ihn zu seinem ersten Roman inspiriert hatte – und dem Jahre später ein noch geheimnisvollerer Anruf folgen sollte. «Wie alles andere, was ich in diesem roten Notizbuch aufgezeichnet habe, ist es eine wahre Geschichte.» Wie eine Figur seiner New-Yorker-Trilogie scheint auch Paul Auster davon überzeugt, dass nichts wirklich ist ausser dem Zufall. 

Daniel Ammann,  25.5.2018

«Wahre Zufälle.»
Akzente 2 (25.5.2018).
Download 


Paul Auster
Das rote Notizbuch: Wahre Geschichten.
Aus dem Englischen von Werner Schmitz.
Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2018. 112 Seiten. 

  

Magoria by Daniel Ammann