ph akzente 1 (2013): S. 4–7.
Die List mit den Listen
ph akzente 1 (2013): S. 4–7.
Texte und Glossen zum Thema Schreiben
Ende. Schluss. Fertig. Aus!
So wollte ich schon immer einen Text beginnen. Mit einem Knall, nicht mit Gewinsel.
Die erste Zeile geht zum Angriff über, packt die Leser am Schopf.
Aller Anfang ist leicht. Auch wenn das Sprichwort am Gegenteil festhält.
Aber jetzt wie weiter?
Jagt uns gleich jemand eine Kugel in den Kopf oder springt von der Brücke, um im freien Fall sein verpatztes Leben auszubreiten? Oder war’s das etwa? Ist das Pulver bereits verschossen?
Die ganze Arbeit liegt noch vor uns – eine überhängende Felswand, die in den Himmel ragt, ein tobendes Meer, das es schreibend zu durchqueren gilt.
«Nennt mich Ismael», hebt Herman Melville heroisch an und lässt einen wuchtigen Wal aus den Wellen brechen.
«Nennt mich Smitty», parodiert Philip Roth und pfeffert uns den Grossen amerikanischen Roman wie einen Baseball um die Ohren.
Anfänge haben’s in sich. Wer grossspurig auftrumpft, darf sich nicht mit einem schlechten Blatt in der Hand erwischen lassen. Aber keine Angst. Wenn Sie den ersten Satz schreiben, haben Sie schon zig Anfänge hinter sich. Nehmen Sie ruhig einen von denen und schreiben Sie dort weiter:
Mein Vater war ein Bauerssohn …
(Gottfried Keller, Der grüne Heinrich)
Mein Vater war ein Kaufmann
(Adalbert Stifter, Der Nachsommer)
Mein Vater war ein Gartenzwerg …
(Kathrin Röggla, Abrauschen)
Mein Vater war ein Kommunist
(Urs Widmer, Das Buch des Vaters)
Mein Vater war Totengräber
(Maarten 't Hart, Der Flieger)
Beginnen Sie. Legen Sie einfach los. Machen Sie wenigstens einen Anfang.
Schriftsteller und Autorinnen werden oft zu Filmfiguren, seien sie reale oder fiktive Gestalten. Wie sich ihre Tätigkeit jenseits von geführten Federn und gedrückten Schreibmaschinentasten inszenieren lässt, dafür haben Filmemacher die verschiedensten Lösungen gefunden, wie auch Beispiele aus jüngster Zeit zeigen.
«Tinte, Tasten, Typenhebel: Zur Inszenierung des Schreibens im Film.»
Neue Zürcher Zeitung 5.1.2013: S. 55.
Beim Schreiben einer Geschichte entsteht ein seltsames Ziehen und Stossen. Auf der einen Seite erfinden wir, setzen Figuren und Schauplätze in die Welt. Auf der anderen Seite wissen wir nicht, was wir da eigentlich treiben. Schreiben ist ein Balanceakte zwischen Kontrolle und Hingabe.
Fehlt es Ihren Texten an Spannkraft? Steckt der Gilb in der Syntax oder behindern hartnäckige Kalkablagerungen den Wortfluss?
Dann wird es höchste Zeit, dass Sie Ihrem Schreiben wieder zu natürlicher Elastizität und strahlendem Glanz verhelfen.
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«Regeln für die Ausnahme: Über die ‹Zehn Gebote des Schreibens›.»
Neue Zürcher Zeitung 18.4.2012: S. 51.
Gebote des Schreibens NZZ_2012-4-18.pdf
42 Schriftstellerinnen und Schriftsteller – von Margaret Atwood bis Juli Zeh – verraten in diesem schmucken Büchlein ihre goldenen Regeln des Schreiens. Die Idee mit den zehn Geboten geht auf den amerikanischen Erfolgsautor Elmore Leonard zurück, der seine Regeln 2001 für die New York Times niederschrieb.
Zehn Gebote des Schreiben.
München: Deutsche Verlags-Anstalt, 2011.
176 Seiten.
Elmore Leonard
10 Rules of Writing.
Illustrated by Joe Ciardiello.
London: Weidenfeld & Nicolson, 2010. 92 Seiten.
