Ein Faible für den Tod

Ein Faible für den Tod

«Ein Faible für den Tod.»
Akzente 4 (2019): S. 35.

Jason Reynolds
Love oder Meine schönsten Beerdigungen.
Aus dem Englischen von Klaus Fritz.
München: dtv, 2017. 288 Seiten. Ab 14 Jahren.
Neuausgabe 2020 unter dem Titel «Die Sache mit dem Glücklichsein».
 

About a Girl.
Deutschland 2014. Regie: Mark Monheim.

Neil Gaiman
Das Graveyard-Buch.
Aus dem Englischen von Reinhard Tiffert.
Würzburg: Arena, 2009. 312 Seiten. Ab 11 Jahren.

 blog.phzh.ch/akzente/2019/11/26/ein-faible-fuer-den-tod/
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Algorithmen und Menschen

Algorithmen und Menschen

Die Londoner Mathematikerin Hannah Fry hat für Algorithmen viel übrig. Die schrittweisen Verfahren nehmen uns lästige Routineaufgaben wie Sortieren und Klassifizieren ab. Sie unterstützen uns bei komplexen Entscheidungen, indem sie Daten elegant kombinieren und Unwichtiges herausfiltern. Der Onlineshop schlägt uns Bücher und Musiktitel vor, die tatsächlich passen, und bei der digitalen Partnervermittlung werden die inkompatiblen Kandidaten erst gar nicht gelistet. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Wie die abenteuerlichen Fallgeschichten aus Medizin, Justiz und Verbrechensbekämpfung oder die Beispiele selbstfahrender Autos und automatischer Bilderkennung zeigen, läuft immer noch einiges schief. Problematisch wird es, wenn verwendete Informationen und bestimmende Faktoren nicht transparent sind und wir dem Verfahren blind vertrauen. Daher Frys Fazit: «Noch nie waren Menschen so wichtig wie im Zeitalter der Algorithmen.»

Daniel Ammann, 27.5.2019

«Algorithmen und Menschen.» 
Akzente 2 (2019): S. 35.
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Hannah Fry
Hello World: Was Algorithmen können und wie sie unser Leben verändern.
Aus dem Englischen von Sigrid Schmid.
München: C. H. Beck, 2019. 272 Seiten.


Faszination des Grauens

Faszination des Grauens

An den sagenhaften Prometheus der griechischen Mythologie mögen sich wenige erinnern, aber Victor Frankenstein ist den meisten ein Begriff. Boris Karloff in der Rolle seines Monsters gilt als Ikone der Popkultur. Die Geschichte des modernen Prometheus (so der Untertitel des Romans Frankenstein) ist bereits 200 Jahre alt und hat ihren Ursprung in der Schweiz. Mary Shelley (damals noch Mary Wollstonecraft Godwin) war mit ihrem Geliebten, dem Dichter Percy Bysshe Shelley, bei Lord Byron am Genfersee zu Besuch. Man las sich Schauergeschichten vor und dachte darüber nach, selbst welche zu schreiben. Aber lediglich Mary sollte ihre Idee in die Tat umsetzen. Anderthalb Jahre später erscheint Frankenstein, in einer ersten Auflage noch ohne den Namen der 20-jährigen Verfasserin. Die neue Übersetzung dieser Urfassung durch Alexander Pechmann (Manesse 2018) zeigt, dass der Stoff nichts von seiner Wirkkraft eingebüsst hat.

Kenneth Branagh hat Frankenstein 1994 werknah mit Robert De Niro als namenlose Kreatur fürs Kino adaptiert. Hier rücken Kernthemen wie moralische Verantwortung, innere Zerrissenheit und Nächsten­liebe wieder in den Vordergrund. Allerdings greift auch Branagh im zweiten Teil auf Effekte des Gruselkinos zurück und erweitert die Story um ein weibliches Monster.

In ihrem Biopic Mary Shelley (2017) zeichnet Regisseurin Haifaa Al-Mansour Stationen im Leben der jungen Autorin nach und verknüpft die Entstehungsgeschichte ihres epochalen Romans auf eindrückliche Weise mit Marys persönlichen Erfahrungen und schweren Schicksals­schlägen.

Daniel Ammann, 27.11.2018


«Faszination des Grauens.»
Akzente 4 (2018): S. 35.
 blog.phzh.ch/akzente/2018/11/28/faszination-des-grauens/
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Mary Shelley
Frankenstein oder der moderne Prometheus.
Die Urfassung von 1818.
Aus dem Englischen übersetzt und in neuer Überarbeitung herausgegeben von Alexander Pechmann. Nachwort von Georg Klein. München: Manesse, 2017. 464 Seiten.

Frankenstein. (Mary Shelley’s Frankenstein.)
USA 1994. Regie: Kenneth Branagh.

Mary Shelley.
Grossbritannien/Luxemburg/USA 2017.
Regie: Haifaa Al-Mansour.

Auster: Das rote Notizbuch

Die Wirklichkeit ist mitunter fantastischer als die Fiktion. Wer wüsste das besser als Paul Auster, der Meister des Zufalls. Nicht selten stellen in seinen Romanen schicksalhafte Wendungen die Weichen und zwingen seine Leserinnen und Leser, ihre Ungläubigkeit ausser Kraft zu setzen. «Am Ende ist jedes Leben nicht mehr als die Summe von Zufällen», sinniert ein Ich-Erzähler in der New-York-Trilogie, «eine Chronologie von unerwarteten Überschneidungen, glücklichen Zufällen, wahllosen Ereignissen, die nichts als ihre eigene Planlosigkeit enthüllen.» 

In Austers Universum stehen die Tatsachen den Erfindungen allerdings in nichts nach, wie er in seinem Roten Notizbuch anhand anekdotischer Erlebnisberichte dokumentiert. Seit 1992 ist das dünne Bändchen immer wieder um Episoden erweitert und neu aufgelegt worden. Die vorliegende Ausgabe vereint zum ersten Mal sämtliche wahren Geschichten, die der Autor über die Jahre zusammengetragen hat und für deren Echtheit er sich mehrfach verbürgt. «Das ist wirklich geschehen», beschliesst er die Erzählung über einen mysteriösen Telefonanruf, der ihn zu seinem ersten Roman inspiriert hatte – und dem Jahre später ein noch geheimnisvollerer Anruf folgen sollte. «Wie alles andere, was ich in diesem roten Notizbuch aufgezeichnet habe, ist es eine wahre Geschichte.» Wie eine Figur seiner New-Yorker-Trilogie scheint auch Paul Auster davon überzeugt, dass nichts wirklich ist ausser dem Zufall. 

Daniel Ammann,  25.5.2018

«Wahre Zufälle.»
Akzente 2 (25.5.2018).
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Paul Auster
Das rote Notizbuch: Wahre Geschichten.
Aus dem Englischen von Werner Schmitz.
Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2018. 112 Seiten. 

  

Austen für alle

Austen für alle

Auch 200 Jahre nach ihrem Tod tauchen Menschen gerne in Jane Austens Geschichten ein. Ihre Romane werden erfolgreich für die Leinwand adaptiert, zuweilen parodistisch transponiert wie in der Komödie à la Bollywood Bride & Prejudice (Gurinder Chadha 2004) oder schamlos mit fremden Genre-Elementen aufgemischt wie im Horrorstreifen Stolz und Vorurteil & Zombies (Burr Steers 2015). Nicht zu vergessen die romantischen Biopics Be­coming Jane (Julian Jarrold 2007) und Miss Austen Regrets (Jeremy Lovering 2008), in denen die Autorin Liebesgeschichten wie aus einem ihrer Romane durchlebt. Aber selbst Jane Austens Leserinnen und Leser können zu Protagonisten werden. Der Film The Jane Austen Book Club (Robin ­Swicord 2007) nach der Vorlage von Karen Joy Fowler erzählt von sechs Personen, die sich monatlich treffen, um die Romane der gros­sen Autorin zu diskutieren und etwas für ihr eigenes Leben zu lernen.

In Dan Zeffs TV-Mehrteiler Lost in Austen (KSM 2017) nimmt Immersion noch dramatischere Züge an. Eine passionierte ­Austen­-Verehrerin aus dem 21. Jahrhundert gerät durch ein geheimes Hintertürchen direkt ins Haus der Bennets aus Stolz und Vorurteil und hat bald alle Hände voll zu tun, damit sich Mr. Darcy nicht in sie verliebt und den Plot ihres Lieblingsromans durcheinanderbringt.

Für die eingefleischten Fans zählen vor allem die Originale. Damit deutschsprachige Leserinnen und Leser auch in den Genuss kommen, legt der Manesse Verlag zum Austen-Jubiläum Vernunft und Gefühl in einer gelungen frischen Übertragung von Andrea Ott vor. Jane Austen bleibt also aktuell.

Daniel Ammann, 27.11.2017

«Austen für alle.»
Akzente 4 (2017): S. 35.
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Jane Austen
Vernunft und Gefühl.
Aus dem Englischen von Andrea Ott.
Nachwort von Denis Scheck.
Zürich: Manesse, 2017. 416 Seiten.
Buchcover

The Jane Austen Book Club.
USA 2007.  
Regie: Robin Swicord.
München: Sony Pictures Home Entertainment, 2007. DVD.

Lost in Austen
Grossbritannien 2008.
Regie: Dan Zeff.
Wiesbaden: KSM, 2017. DVD.

Magoria by Daniel Ammann