Kindheitserinnerungen

Kindheitserinnerungen
 

Das Verwunderliche an der Kindheit ist, dass sie noch keine Sprache hat. Wer später zurückblickt, um die frühen Jahre einzufangen, muss dafür erst Worte und Bilder finden. Erschwerend kommt hinzu, dass auf Erinnerung kein Verlass ist. Für das Gedächtnis sei nicht die Wahrheit am wichtigsten, sinniert der norwegische Schriftsteller Karl Ove Knausgård in Spielen (btb 2015), dem dritten Band seines autobiografischen Projekts. Anders als der deutsche Titel vermuten lässt, bestehen die Tage der Kindheit nicht nur aus Spiel und Abenteuer. Oft fliessen sie zäh dahin und sind überschattet von unergründlichen Ängsten.   

Während bei Knausgård die drohende Vaterfigur das Fühlen und Denken des Jungen beherrscht, ist es bei der dänischen Autorin Tove Ditlevsen die Beziehung zur unnahbaren Mutter. «Sie war fremd und geheimnisvoll», erinnert sie sich in Kindheit (Aufbau 2021), und stellt sich vor, sie sei als Säugling vertauscht worden. Mit unsentimentaler Lakonie schildert sie im ersten Teil ihrer Kopenhagen-Trilogie, wie es sich anfühlt, seine eigene Wahrheit und die innere Poesie vor der groben Welt der Erwachsenen zu schützen. 

Selbst eine nahezu unbeschwerte Kindheit auf dem Land kann im späteren Leben verstörend nachhallen, wenn sie gewaltsam beendet wird. Davon erzählt Rolf Lapperts eindringlicher Roman über vier «befreite» Kommunenkinder. Leben ist ein unregelmässiges Verb (Hanser 2020) zeichnet ihre Schicksale in einem aufwühlenden Panorama nach und (re-)flektiert Gegenwart und Zukunft durch einen Spiegel in einem dunkeln Wort. 

Daniel Ammann,  27.5.2021

«Kindheit im Rückspiegel.»
Akzente 2 (2021): S. 39.
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Karl Ove Knausgård
Spielen.
Aus dem Norwegischen von Paul Berf.
München: btb Verlag, 2015. 573 Seiten.

Tove Ditlevsen
Kindheit.
Aus dem Dänischen und mit einem Nachwort von Ursel Allenstein.
Berlin: Aufbau Verlag, 2021. 118 Seiten.

Rolf Lappert
Leben ist ein unregelmässiges Verb.
München: Hanser, 2020. 976 Seiten.

Entdeckendes Schreiben

«Schreiben als Entdeckungreise: Gedankenexperiment im Textlabor.»
ph akzente 3 (2013): S. 12–13. 
Einen guten Text zu schreiben, kann ganz schön anstrengend sein. Das wissen Ungeübte genauso wie routinierte Autoren. Wenn sich Wörter querstellen oder die Ideen ganz ausbleiben, hilft die simple Methode: einfach mal drauflosschreiben. Nicht selten erweisen sich improvisierte Texte als wahre Fundgruben.
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Die List mit den Listen

«Die List mit den Listen: 1000 Wegweiser für ein einfacheres und besseres Leben.»
ph akzente 1 (2013): S. 4–7. 
Listen haben insbesondere einen Zweck: Sie sollen uns das Leben einfacher machen. Dies haben listige Verlage und Autoren längst erkannt. In der Buch- und Filmwelt wimmelt es von Titeln, die uns helfen, unsere Existenz effizienter zu gestalten. Selbst gescheiterte Liebesbeziehungen können offenbar anhand einer Liste verarbeitet werden.
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Familiengeheimnisse und andere Verbrechen

Familiengeheimnisse und andere Verbrechen

Rätsel wollen gelöst, Geheimnisse gelüftet werden. Aus dieser Faszination entstehen Geschichten. Im 19. Jahrhundert hat sich mit dem Kriminal- und Detektivroman ein Genre entwickelt, das Leserinnen und Leser bis heute fesselt. Aber nicht immer sind Detektive am Werk, und manchmal bleibt uns die Klärung des Verbrechens versagt.

«Familiengeheimnisse und andere Verbrechen: Charles Dickens und der ungelöste Fall des Edwin Drood.»
ph akzente 2 (2012): S. 12–15.
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Familiengeheimnisse und andere Verbrechen

The Mystery of Edwin Drood.
Grossbritannien (BBC) 2012.
Regie: Diarmuid Lawrence. Drehbuch: Gwyneth Hughes.

Charles Dickens
Das Geheimnis des Edwin Drood.
Aus dem Englischen von Burkhart Kroeber.
Fortgeschrieben und zu Ende geführt von Ulrike Leonhardt.
Zürich: Manesse, 2011. 768 Seiten.

Dan Simmons
Drood.
Aus dem amerikanischen Englisch von Friedrich Mader.
München: Wilhelm Heyne, 2011. 976 Seiten.


Stumme Zeugen

«Stumme Zeugen: Fussspuren, Fingerabdruck und moderne Forensik.»
ph akzente 4 (2011): S. 8–11.
Spuren gehören zu den geheimnisvollsten Hinterlassenschaften der Menschheit. Eine Zeitreise von den Anfängen der Spurenjagd im alten England bis zur spektakulären Verwertung in Hollywoods Serien-Fabrik.
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Magoria by Daniel Ammann