Diksurs Kindheits- und Jugendforschung. Heft 1/2009. Schwerpunkt: Medienkompetenz in der Kindheit.
Herausgegeben von Daniel Ammann und Dagmar Hoffmann. ISSN 1862-5002.
Wenn es um die Belange der Gehörlosen geht, haben Hörende nicht nur zwei linke Hände, sondern oft auch das Sagen. Im Film Tanz der Hände ist das anders.
Hörende sehen in erster Linie, was fehlt, bleiben jedoch blind für den Zauber der Gebärdensprache und die eigenständige Kultur der Gehörlosengemeinschaft.
Alltag und Künste
Mit ihrem dokumentarischen Essay «Tanz der Hände» versuchen uns Phil Dänzer (schwerhörig), Peter Hemmi (gehörlos) und der Kameramann Enrico de Marco (gehörlos) diesbezüglich ein wenig die Augen zu öffnen. Dass taube Menschen in Filmen von Hörenden meist nur als «Problemfälle» dargestellt werden, wollen die Filmautoren korrigieren nun einmal etwas Positives aus der Welt der Gehörlosen zeigen. So versteht sich der Film als Liebeserklärung an die Gebärdensprache und lässt fast ausschliesslich Gehörlose selber «zu Wort» kommen.
Tanz der Hände gewährt lebendige Einblicke in die Erforschung der Gehörlosengeschichte und der Gebärdensprache. Und er weist am Beispiel einer Westschweizer Schule auf die Vorzüge eines zweisprachigen Erziehungskonzepts hin. In der Genfer Gehörlosenschule Montbrillant werden taube Kinder seit 1980 sowohl in Laut- als auch in Gebärdensprache gefördert und je nach Fach mit hörenden Kindern zusammen unterrichtet. – Solche Annäherungen haben allerdings nichts Lehrfilmhaftes, sondern tragen immer eine persönliche Note. Der Blick richtet sich auf Menschen und stellt ihre Lebenssituation, ihr berufliches Engagement in den Vordergrund.
Beeindruckend sind vor allem auch die Besuche an Schauplätzen kultureller und künstlerischer Aktivitäten – die Arbeit eines gehörlosen Museumsführers im Technorama von Paris, Proben einer Tanzgruppe des International Visual Theater oder Ausschnitte einer Aufführung der antiken Tragödie Antigone in Gebärdensprache. An einem Fest in Fribourg werden gebärdete Witze und amüsante Kurzgeschichten zum Besten gegeben. Und wie ein roter Faden ziehen sich die stimmungsvollen Präsentationen von Gebärdengedichten durch den Film. Unterstrichen und Begleitet werden sie durch die dezente Musik von Pierre Favre.
Für Hörende untertitelt
Nach über hundert Jahren des Gebärdenverbots an europäischen Gehörlosenschulen beginnt sich die visuell-gestische Sprache der Gehörlosen neu zu entfalten. – Zeit auch für die Hörenden, einen neuen Blick zu wagen. Dank deutscher Untertitel ist der Film auch für Hörende und Schwerhörige verständlich.
Daniel Ammann, 1.5.1998
«Die Kunst des lautlosen Sprechens.» Der Dokumentarfilm Tanz der Hände von Phil Dänzer. St. Galler Tagblatt 1.5.1998: S. 14.
Unterrichtsvorschläge für das 9.–13. Schuljahr, Englisch, Deutsch.
Ziele Die Tarzan-Figur ist den meisten bekannt, wenn auch die Darstellungen in Büchern, Comics, Filmen und TV-Serien ein sehr unterschiedliches Bild des Dschungelhelden und seiner Geschichte vermitteln. Die Unterrichtseinheit beschäftigt sich hauptsächlich mit dem ersten der über zwei Dutzend Tarzan-Romane von Edgar Rice Burroughs und der 42. und bislang letzten filmischen Umsetzung durch Hugh Hudson (Regisseur von «Chariots of Fire»). Hauptziel ist es, der ursprünglichen Tarzan-Legende nachzuspüren und ihre Gestaltung und Auslegung in den verschiedenen Medien aufzuzeigen. Daneben geht es um eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit dem Spielfilm.
Inhalt Die vergleichende Betrachtung und Analyse des Filmes und der literarischen Vorlage werden begleitet von einer Einführung in die Filmsprache, Vergleichen zwischen filmischen und literarischen Gestaltungsmitteln sowie medienkundlichen Informationen zu den Produktionsbedingungen von Buch und Film.
Daniel Ammann und Thomas Hermann Greystoke: Der Tarzan-Mythos in Film und Buch. Medienpädagogik, Unterrichtsvorschläge für das 9.–13. Schuljahr, Englisch, Deutsch. Herausgegeben von Christian Doelker. Zürich: Pestalozzianum Verlag, 1989. 148 Seiten. ISBN 3-907526-24-4
Medienbildung bereitet auf das Leben in einer mobilen und zunehmend technisierten und mediatisierten Welt vor. Welches Wissen und welche Fertigkeiten sollen in der Schule vermittelt werden? Wie lässt sich Medienkompetenz im Unterricht fördern? Ein Vergleich mit der Verkehrserziehung illustriert, dass es in beiden Aufgabenfeldern mehr als einen «Führerschein» braucht. Ziele und Ansprüche einer Medienbildung gehen allerdings weiter, denn Medien dringen bis ins Private vor, beeinflussen Fühlen und Denken und wirken sich auf schulisches Lehren und Lernen aus.