Leiche im Keller

Wenn der erste Satz schon sagt, womit es angefangen hat, muss man höllisch aufpassen. Es ist fest damit zu rechnen, dass sich etwas Unheilvolles anbahnt und die wahren Ursachen noch tiefer liegen. So ist es auch bei Alex Schulman. Sein Roman Jetzt beginnt das Leben (schwedischer Originaltitel 17 juni) beginnt zwar mit einer Leiche im Keller, aber diese ist nur ein beiläufiger Auslöser. Der Ich-Erzähler Vidar entdeckt sie zufällig zwischen Umzugkartons, als er im Keller eine Herbstjacke holen möchte.

Die Ratte muss entsorgt werden und weil der Verschlag nun sanierungsbedürftig ist, räumt er die Kartons vorübergehend in die Wohnung. In einer dieser Kisten mit den Habseligkeiten seines verstorbenen Vaters stösst Vidar auf ein Telefonbüchlein und die Nummer des alten Sommerhauses seiner Familie.

Sie öffnet eine Falltür in die Vergangenheit. 

«Es geht um den 17. Juni 1986», schreibt er irgendwann seiner Schwester. «Irgendetwas ist mit diesem Tag. Ich glaube, da ist etwas passiert.» 

Ich mag solche Zeitreisen, auch wenn es in Wirklichkeit keine sind. Geschickt verknüpft Schulman zwei Erzählstränge und Zeitebenen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Aber als Leser:innen wissen wir aus Erfahrung, dass es in Romanen keine Zufälle gibt.

Daniel Ammann, 20.8.2026

PS Das ist übrigens alles andere als ein Schwedenkrimi. Viel besser. Aber als Leser brauche ich ohnehin kein Alibi. Und falls doch, hätte ich eines: Ich war an diesem Tag mit Rosa Luxemburg im Kino.


Alex Schulman
Jetzt beginnt das Leben.
Aus dem Schwedischen von Hanna Granz.
München: dtv, 2026. 352 Seiten.

Magoria by Daniel Ammann